Reader Gewaltp NRW online

101 2/2013 13 beträgt durchschnittlich 2,2 (Elternstudie) bzw. 2,4 (Schülerstudie) Stunden täglich. Fast drei Viertel besitzen einen eigenen Com- puter, 67 Prozent ein internetfähiges Handy/ Smartphone. Die meisten älteren Kinder und Jugendlichen sind in Sozialen Netzwerken aktiv, allerdings unterschiedlich intensiv. 40 Prozent sind in einem Netzwerk aktiv, 20 Prozent in zwei Netzwerken und ein Viertel in drei und mehreren. Im Schnitt haben sie 2,3 Profile. 13 Prozent haben keinen Ac- count. Während die meisten Kinder und Ju- gendlichen rund sieben enge Freunde haben, zählen zum virtuellen Freundeskreis durch- schnittlich 33 Personen. Als Hauptgrund für die Mitgliedschaft nennen die Jugendlichen: Kontakt halten und sich verabreden. Fünf Prozent begründen die Teilnahme vor allem mit der Angst vor Ausgrenzung. Ein Viertel der Befragten fühlt sich wohler, seit sie in einem Sozialen Netzwerk aktiv sind und 14 Prozent fühlen sich beliebter. Von den befragten Eltern kontrolliert knapp die Hälfte die Internetnutzung der Kinder, jüngere Eltern beaufsichtigen ihre Kinder intensiver. In der Schülerstudie be- richten jedoch nur 17 Prozent von Elternkon- trollen, zwei Drittel verneinen diese. Leider wird bei der Darstellung der Ergebnisse oft das Alter der Kinder nicht berücksichtigt, was angesichts der großen Altersspanne (sie- ben bis 22 Jahre) notwendig gewesen wäre. Einschätzung des Problems Rund 90 Prozent der Eltern wie auch der Lehrkräfte halten Cybermobbing für ein gefährliches Problem. Vor allem Eltern über- schätzen den Anteil von Opfern und Tätern. Sie glauben, dass 38 Prozent der Kinder und Jugendlichen Opfer und 34 Prozent Täter von Cybermobbing werden. Allerdings berichten nur 7,3 Prozent über Cybermobbing bei den eigenen Kindern, etwa 27 Prozent haben von Cybermobbing im Bekanntenkreis gehört. Die Hälfte der Lehrer hält Cybermobbing an der eigenen Schule für ein Problem. Sie schätzen, dass 17 Prozent ihrer Schüler Op- fer und 14 Prozent Täter von Cybermobbing sind. 60 Prozent der Lehrkräfte waren min- destens einmal mit einem Fall konfrontiert, ein Drittel mehrmals. Unter den Schülerinnen und Schülern berichteten 16,6 Prozent über angebliche Cybermobbingattacken, 19 Prozent ou- teten sich als Täter. Am häufigsten gab es Beschimpfungen und Beleidigungen (60 Prozent), Gerüchte/Lügen (40 Prozent), Bedrohung/Erpressung und Ausgrenzung (jeweils 25 Prozent), unerlaubte Veröffent- lichung von Fotos (17 Prozent), peinliche Fotos (15 Prozent). Mehr als ein Drittel der Mobber war zuvor selbst im Internet gemobbt worden. Jugendliche, die intensiv Soziale Netzwerke nutzen, wurden häufiger Opfer von Cybermobbing. Wissen und Prävention Die Verfasser der Studie bemängeln an mehreren Stellen das Wissen der Pädagogen und vermissen Präventionsmaßnahmen. Allerdings finden 44 Prozent der Eltern, dass sie selbst über Cybermobbing gut informiert sind, und ebenso viele denken dies auch über die Lehrkräfte. Von den Lehrkräften halten zwei Drittel das Fachwissen im Kollegenkreis für gut. Angesicht der Tatsache, dass vermutlich noch vor wenigen Jahren der Kenntnisstand über Cybermobbing sehr gering gewesen sein dürfte, kann man diese Einschätzungen durchaus als großen Fortschritt sehen. Viele Schulen bieten mittlerweile vielfäl- tige Maßnahmen und Verfahren im Bereich der Gewaltprävention an. Rund zwei Drittel haben Schulregeln für einen gewaltfreien Umgang und thematisieren gewaltfreie Konfliktlösungen, ebenso viele haben ein Streitschlichterprogramm. 43 Prozent führen Workshops zur Medienkompetenz durch, 23 Prozent planen das. Mehr als die Hälfte der Schüler wird über Gefahren im Netz und über Cybermobbing aufgeklärt und auch rund die Hälfte der Eltern erhält entspre- chende Informationen. Die Schüler berichten über noch mehr schulische Aktivitäten: Die Hälfte der Schulen bringt den Schülern bei, wie man auf Cybermobbing reagieren sollte und drei Viertel bieten Internetworkshops an. Den Schüleraussagen zufolge gibt es nur an einem Viertel der Schulen keine Präventi- onsmaßnahmen. Sensibilisierung an Schulen Selbstverständlich sollten sich noch viel mehr und möglichst alle Schulen an der Aufklärung und Vorbeugung von Cy- bermobbing beteiligen. Aber es sollte nicht übersehen werden, dass schon viel im Hinblick auf Informationsvermitt- lung und Sensibilisierung erreicht worden ist. Die Lehrerbefragung ergab, dass drei Viertel der Schulen auf be- kannt gewordene Cybermobbingfälle rea- gieren, meist auch disziplinarisch. In vielen Fällen wird zusätzlich die Unterstützung durch Polizei und psychologische Dienste eingeholt. Knapp die Hälfte der Eltern wünscht sich strengere Kontrollen und Strafen, 42 Prozent mehr Beratung und Aufklärung. Die von Cybermobbing betroffenen Schülerinnen und Schüler versuchen das Problem vor allem mit Freun- den (Mädchen: 51 Prozent, Jungen: 33 Prozent) und mit Eltern (Mädchen: 42 Prozent, Jungen: 33 Prozent) zu lösen. Ein Fünftel meldet den Vor- fall dem Betreiber, 6 Prozent der Mädchen und 12 Prozent der Jungen suchen sich Hilfe über ein Internet-Portal. Die meisten wünschen sich Hilfe von Freunden (61 Prozent) und Eltern (57 Prozent). Darüber hinaus wünschen sich viele mehr Aufklärung in der Schule (50 Prozent), Unterstützung durch Lehrer (44 Prozent), Antimobbing-Trainings (47 Prozent) und Schülerscouts (44 Prozent). Die Lehrkräfte wünschen sich mit großer Mehrheit aufbereitete Unterrichtsmateri- alien/Module, mehr Lehrerfortbildung und Beratung von externen Fachkräften. Dies sollte ein Anreiz sein, die Bemühungen um Information und Fortbildung fortzusetzen. Einschätzung der Gewaltproblematik Sowohl Eltern wie auch Lehrkräfte sind der Meinung, dass sich die Gewalt unter Jugendlichen durch die neuen Medien ver- ändert habe. 76,7 Prozent der Eltern und 53 Prozent der Lehrkräfte stimmen der Aussage zu, dass Jugendliche generell gewaltbereiter geworden sind. Diese Auffassungen stehen im Kontrast zur abnehmenden Gewalt unter jungen Menschen, wie sie seit einigen Jahren sowohl in der polizeilichen Kriminalstatistik wie auch in zahlreichen Dunkelfelduntersu- chungen deutlich wird. Vielleicht fokussiert eine solche Befragung den Blick auf Gewalt und die besonders schwer fassbare, oft anonyme Internetkommunikation in der Weise, dass die Jugend problematischer scheint als sie – glücklicherweise – ist. Carmen Ternz (AJS) carmen.trenz@mail.ajs.nrw.de Informationen für Eltern und Fachkräfte DREI-W-VERLAG Cyber- Mobbing Cyber-Mobbing_Fassung26.08.indd 1 06.09.10 14:45 AJS Forum 02_13.indd 13 25.06.13 15:48 1. Gewaltphänomene | Mobbing/Cyber-Mobbing

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