Reader Gewaltp NRW online
102 Was hilft gegen Cyber-Mobbing? Gefordert werden Gesetze, dabei mangelt es oft an erfolgreicher Präventionsarbeit Cyber-Mobbing im digitalen Alltag ist nach wie vor ein häufiges Problem. Das Smartphone als „Waffe“ zu be- nutzen, nimmt nach neuesten Studien leider nicht ab, sondern zu. Eine internationale Studie von Vodafone und dem Meinungsforschungsinstitut YouGov ergab, dass jeder fünfte Jugendliche schon einmal online gemobbt wurde. Zumeist findet dies per Mail oder im Chat (WhatsApp), aber auch in Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter statt. Eine weitere Erkennt- nis ist, dass nur knapp die Hälfte der von Mobbing Betroffenen mit ihren Eltern sprechen, oft fühlen sich Jugendliche allein gelassen. Doch nicht nur Jugendliche sind betroffen: Auch Frauen fühlen sich zunehmend von digitaler Gewalt bedroht. Die NRW-Emanzipationsministerin Barbara Steffens (Grüne) hält deshalb einen eigenen Straftat- bestand Cyber-Mobbing für nötig, um die Menschen effektiver vor Mobbing im Netz schützen zu können. Wie aus einer aktuellen Pressemitteilung des NRWMi- nisteriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA) hervorgeht, will sich Steffens weiter für rechtlicheMaßnahmen engagieren. Bundesjustizmini- ster HeikoMaas (SPD) hat ebenso ein entschlosseneres Vorgehen gegen Cybermobbing gefordert, ein eigenes Gesetz jedoch bislang abgelehnt. Auch andere Jurist/ -innen sind der Meinung, dass die bestehenden Gesetze ausreichend sind, die z. B. Beleidigung, Ver- leumdung oder Nötigung unter Strafe stellen, wenn sie konsequent auf Cyber-Mobbing angewendet würden. Einig sind sich alle, dass neben gesetzlichen Rege- lungen vor allemdie Vorbeugung wichtig ist. Doch wie sieht erfolgreiche Prävention aus?WelcheMaßnahmen sollen Schulen und andere Einrichtungen umsetzen, um Cyber-Mobbing vorzubeugen? Im Folgenden werden einige Bausteine erläutert, aus denen ein stimmiger Präventionsansatz entstehen kann: 3/2016 FORUM Die AJS-Handreichung „Cyber-Mobbing begeg- nen“ bietet neben einer Einführung ins Thema Cyber-Mobbing samt einer rechtlichen Einordnung auch ein konkretes Prä- ventionsmodul zur prak- tischen Umsetzung und eine Übersicht zu weiteren pädagogischen Materi- alien. Download unter www.ajs.nrw.de im Bereich Gewalt. 4 Zuständigkeiten benennen Es ist sinnvoll, klare Verantwortlichkeiten zu benennen und ein Anti-Mobbing-Team zu bilden. Dieses Team sollte bei der Arbeit möglichst alle Beteiligten ins Boot holen: Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter/-innen, Mitarbeiter/-innen im offenen Ganztag, Eltern sowie Schülervertreter/-innen. Das Thema Cyber-Mobbing ist komplex: So rasant, wie sich technische Gerätschaften weiterentwickeln, verändern sich auch Erscheinungsformen, Schwer- punkte und Plattformen von Cyber-Mobbing. Für Fachkräfte ist es schwierig, mit der Entwicklung immer Schritt zu halten. DesignierteMobbing-Beauftragte an den Schulen sollten daher die Kolleg/-innen beraten können. Sie sind zudem Ansprechpartner/-innen für die Schüler/-innen bei Fragen zu Datenschutz und Sicherheit im Internet, bei Fällen von (Cyber-)Mobbing und evtl. auch bei anderen sozialen Schwierigkeiten. Konzept entwickeln UmwirksamgegenMobbingmit und ohne Medienein- satz vorzugehen, sollte auf verschiedenen Ebenen angesetzt werden. Das Phänomen Cyber-Mobbing liegt auf der Schnittstelle der Handlungsbereiche Me- dienerziehung und Gewaltprävention. Ein stimmiges Konzept hat also die Förderung vonMedienkompetenz wie auch das soziale Lernen im Blick. Zudem sollte ein Konzept zum Umgang mit Cyber- Mobbing auch die Intervention im Blick haben: „Was tunwir in unserer Einrichtung, wenn ein Fall von Cyber- Mobbing auftritt?“ Hier gibt es bestehende Ansätzewie den No Blame Approach, der auch bei Cyber-Mobbing greifen kann, wenn sich die Beteiligten kennen. Eine konsequente Form der Intervention ist wiederum ein Beitrag zur Prävention, weil klar wird, dass Cyber- Mobbing in der Einrichtung keinen Platz hat. Informieren und Aufklären Cyber-Mobbing ist für Lehrer/-innen, pädagogische Fachkräfte und Eltern oft noch schwieriger wahrzuneh- men als herkömmliches Mobbing. Umso wichtiger ist es, dass an Schulen und pädagogischen Einrichtungen ein Bewusstsein für die Problematik entwickelt wird. Im ersten Schritt geht es also darum, dass sich Lehrer- kollegien und pädagogische Teams selbst über Cyber- Mobbing und Lösungsansätze informieren. Angebote wie z. B. klicksafe eignen sich gut, um einen Überblick über die Problematik zu bekommen. Auch die Eltern sollten über Informationsveranstal- tungen für das Thema Cyber-Mobbing sensibilisiert werden. Auf einem solchen Elternabend kann das Kon- zept der Einrichtung zur Prävention von Cyber-Mobbing vorgestellt werden. Idealerweise wird auch erläutert, mit welchem Interventionsansatz bei Fällen von Cyber- Mobbing reagiert werden soll. AJS FORUM 3-2016.indd 4 15.09.16 11:57
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