Reader Gewaltp NRW online
103 5 3/2016 FORUM Matthias Felling Silke Knabenschuh (beide AJS) felling@mail.ajs.nrw.de silke.knabenschuh@mail.ajs.nrw.de Die AJS bietet regelmäßig eintägige Schulungen für Multiplikator/-innen an, um Cyber-Mobbing zu begegnen. Dort werden Handlungskonzepte für Einrichtungen besprochen. Präventiv arbeiten Es gibt mittlerweile eine Reihe von Präventionspro- grammen und -materialien, die Kinder und Jugendli- che im Rahmen von Unterrichtsreihen oder Projekt- tagen für das Thema Cyber-Mobbing sensibilisieren. Eine Übersicht bietet die AJS-Handreichung „Cyber- Mobbing begegnen“. Viele der Programme lassen sich kostenlos herunterladen oder bestellen. Die meisten Ansätze sind modular aufgebaut und können je nach Zeitrahmen flexibel eingesetzt werden. Die Programme versuchen neben einer Aufklärung über die Rechtslage vor allemdie Besonderheiten des Cyber-Mobbings aufzuzeigen (große Reichweite, feh- lender Schutzraum, Anonymität) und entsprechende Bewältigungsstrategien zu vermitteln. Neben dem Ziel einer verantwortlichen und kompetenten Me- diennutzung verfolgen die Präventionsansätze aber auch sozio-emotionale Ziele bei den Jugendlichen wie Empathiefähigkeit, die Bereitschaft zumPerspek- tivwechsel und letztlich einmoralisches Handeln. Die meisten Präventionsprogramme schließenmit einem Transfer in den Alltag, indem z. B. eine Klassenverein- barung erstellt und von allen unterschrieben wird. Schulklima stärken An einer Schule, an der sich alle Beteiligten – Schüler/- innen, Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte, weitere Mitarbeiter/-innen–wohlfühlen, kommt es nachweislich zu weniger Vorfällen von Mobbing und Cyber-Mobbing. Wichtig ist es dabei, eine konstruktive Gesprächskultur zu etablieren, die jedem ermöglicht, sich an der Ent- wicklung der Schule zu beteiligen und problematische Vorfälle oder Prozesse frühzeitig anzusprechen. Vor allem die Schulleitung muss dies mittragen. Damit Präventionsarbeit erfolgreich ist, muss das Mit- einander konsequent gelebt werden. So wichtig es ist, Verhaltensregeln zu formulieren, so wichtig ist es auch, dass Lehrkräfte und Schüler/-innen auf die Einhaltung achtenundVerstöße entsprechend verfolgt werden. Die Anti-Mobbing-Teams an Schulen müssen als feste An- sprechpartner an den Schulen etabliert werden. Nach der Durchführung von Präventionsprogrammen in Klas- sen oder anderen Gruppen muss regelmäßig nachge- hakt werden, inwieweit die Inhalte den Schüler/-innen noch bewusst sind und ob die aufgestellten Regeln zum Miteinander im Internet von allen eingehalten werden. Jugendliche einbinden Bei Peer-to-Peer-Projektenwerden ältere Jugendliche zu Scouts ausgebildet, die jüngere Schüler/-innen über Themen wie Sicherheit im Internet, Daten- und Persönlichkeitsschutz in Sozialen Netzwerken und Verhaltensregeln für Smartphone und Computer auf- klären. Medienerziehung auf Augenhöhe funktioniert besonders gut. Denn die so genanntenMedien-Scouts sindmit der heutigenMedienwelt viel selbstverständ- licher vertraut und für die jüngeren Schüler/-innen somit oftmals glaubwürdiger als Erwachsene. Wichtig beimPeer-to-Peer-Ansatz: In konkreten Fällen von Cyber-Mobbing können die jugendlichen Scouts nur ein erster Ansprechpartner sein. Sie müssen die Problematik dann an erwachseneMobbing-Beauftrag- te abgeben können. Alles andere würde die jungen Menschen überfordern. Regeln entwickeln Nicht nur im Bereich von (Cyber-)Mobbing erweist es sich als sehr hilfreich, wenn Schulen eindeutige und klare Verhaltensregeln zum sozialen Miteinander entwickeln. Damit die Regeln auch von den Schüler/ -innen angenommen werden, ist es wichtig, sie an der Entwicklung der Abmachungen zu beteiligen. Es sollte verbindlich festgelegt werden, dass Mobbing und Cyber-Mobbing nicht geduldet werden. Entsprechende Missachtungen der Umgangsregeln müssen gemeldet werden. Dazu sollten klare Ansprechpartner/-innen für alle Beteiligten an der Schule benannt sein. Sinnvoll ist es auch, Konsequenzen und Sanktionen für Verstöße gegen den Verhaltenskodex zu formulieren. Für den Bereich Cyber-Mobbing können zudem Rege- lungen zum Umgang miteinander im Netz (Netiquette) oder bei der Nutzung von Smartphones (Handy- Ordnung) hilfreich sein. Zahlreiche Schulen haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, wenn eine Handy- Ordnung von Lehrer/-innen, Eltern und Schüler/-innen gemeinsam erarbeitet wurde. Anders als vielleicht zu erwarten, sind Schüler/-innen dabei durchaus bereit, klare Regeln aufzustellen. Eine Handyordnung, die ge- meinsam erarbeitet wurde, kann von allen Beteiligten besser verinnerlicht werden. Die Regeln sorgen so für Transparenz und Gleichbehandlung. Eine Handyord- nung kann auch dazu genutzt werden, umHeranwach- sende über rechtliche Hintergründe aufzuklären. AJS FORUM 3-2016.indd 5 15.09.16 11:57 1. Gewaltphänomene | Mobbing/Cyber-Mobbing
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