Reader Gewaltp NRW online
105 (wie im Falle von Facebook) nicht funktioniert, einen Sachverhalt zur Anzeige zu bringen. In diesem Fall ist der Anbieter gezwungen, etwas zuunternehmen, undes kann eine Geldstrafe verhängt werden. Welche Strate- gie die passende ist, muss der jeweilige Seitenbetreiber individuell entscheiden. AEIOU-Regel für junge Nutzer Entscheidend im Umgang mit jungen Nutzern ist es, sie für extremistische Botschaften und Inhalte im Netz zu sensibilisieren und ihnen Merkmale von zweifelhaften Quellen oder Meinungen zu zeigen. Hier kann die AEIOU-Regel hilfreich sein (vgl. klicksafe Broschüre 2013): 7 3/2015 FORUM Facebook kündigte Mitte September in Deutschland neue Maßnahmen „zur Be- kämpfung von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“ an. Zu den Maßnahmen gehören nach eigenen Angaben die Einsetzung einer Task Force zum Umgang mit Hassrede, die Partnerschaft mit der „Freiwilligen Selbstkon- trolle Multimedia-Diensteanbieter“ und eine Kampagne, um „Gegenrede“ gegen Hetze in Deutschland zu fördern. Demokratie abschaffen wollen, auf die sie sich so gern berufen, wenn es ihnen passt. Während Neonazis ihre Gesinnung vormals eher durch jugendaffine Musik, Videos oder trendige Klei- dung verbreiteten, ist ihr Gedankengut in Zeiten von Social Media offenkundig im Mainstream angelangt und nicht mehr länger eine abgekoppelte (Jugend-) Szene. Laut Julia Schramm von no-nazi.net nimmt die Schnittmenge von Populisten und organisierten Nazis auf diese Weise zu. Beispielsweise zeigen die zahllosen fremdenfeindlichen Beiträge auf Facebook zum millionenfach aufgerufenen tagesthemen- Kommentar von Anja Reschke, dass Hass im Netz ein Mainstream-Phänomen ist. Diese Entwicklung ist neu und stellt eine neue Herausforderung an die Gesellschaft dar. Wie umgehen mit Hate Speech Bei der Konfrontation mit Hasskommentaren oder fremdenfeindlichen Seiten im Netz gibt es ver- schiedene Gegenmaßnahmen. Es gibt keine Patent- lösung. Netz-Experten wie der Spiegel-Online Blogger Sascha Lobo empfehlen den Widerstand mit Worten als Gegenbewegung: „Counter Speech“. Den Hass- reden setze man am besten ruhige Rationalität mit stichhaltigen Argumenten entgegen, die vollkommen ohne Aggression auskommen. Für den Erfolg solcher Friedenspropaganda benennt Lobo etwa den Fall des Amsterdamer Bürgermeisters, der „nach dem islami- stischen Mord an Theo van Gogh sich deutlich gegen anti-muslimische Racheakte aussprach und sagte: ‘Ein Amsterdamer wurde ermordet. Kämpft mit dem Stift undwenn notwendig, vor Gericht. Aber nehmt niemals die Justiz in die eigenen Hände.‘ In den Tagen nach demMord geschahen imganzen LandRacheakte gegen Muslime – außer in Amsterdam“ (Sascha Lobo). Doch ist diese Strategie zeitintensiv undmühsam. Hingegen lässt das reine Ignorieren provokante Äußerungen zwar ins Leere laufen (und nährt den Hass nicht wei- ter), doch werden negative Botschaften so auch weiter aufrechterhalten. Eine angemessene Moderation lässt Raum für un- terschiedliche Meinungen, doch sollte es klare Regeln geben, wann gegen die Debattenkultur verstoßenwird (themenfremde Beiträge, Beleidigung etc.). In diesem Falle soll kommentarlos gelöscht werden. Dies erfor- dert ein sehr aufmerksames Community-Management, was aufwendig und teuer ist. Auch haben Journalisten schon Haltung bewiesen, indem sie auf Hassbeiträge mit Ironie reagierten und die Diskussion ins Absurde führten. Hier kann es allerdings zu keinem Dialog kommen und die Fronten verhärten sich. DemNutzer bleibt nicht zuletzt dieMöglichkeit, die Meldefunktion des Netzwerks zu nutzen oder, falls dies Silke Knabenschuh (AJS) knabenschuh@mail.ajs.nrw.de Links nonazi.net : www.no-nazi.net Netz gegen Nazis: www.netz-gegen-nazis.de Online-Beratung gegen Rechtsextremismus: www.online-beratung-gegen-rechtsextremismus.de A A ktualität ■ Wie aktuell ist die Website? ■ Wird sie regelmäßig erneuert? ■ Gibt es „tote“ Links, die ins Leere laufen? E R e ferenz ■ Hintergrund Autor/in ■ Gibt es andere Seiten von ihr/ihm? ■ Was steht woanders im Internet über sie/ihn? ■ Kann man sehen, für wen sie/er arbeitet? I I dentität des Verfassers ■ Wer schrieb die Website? ■ Ist ein Kontakt oder Impressum vorhanden? (Pflicht in Deutschland) ■ Kann man Kontakt zum Betreiber der Website aufnehmen? O O bjektivität ■ Wie ist der Text geschrieben? ■ Warum wurde der Text geschrieben? ■ Kann man eine Meinung/ Absicht erkennen? ■ Sind die Informationen wahr? U U nbedingt ■ Misstrauisch sein und immer kontrollieren! Quellenhinweise Amadeu Antonio Stiftung: Geh sterben! – Umgang mit Hate Speech und Kommentaren im Internet. Broschüre. www.amadeu-antonio-stiftung.de/hatespeech (abgerufen am 10.09.15). Amadeu Antonio Stiftung: Was ist überhaupt Hate Speech? www.amadeu-antonio-stiftung.de/hatespeech/was-ist- ueberhaupt-hate-speech (abgerufen am 10.09.15). Europaratausschuss gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) Jahresbericht. www.coe.int . Sascha Lobo: Wie aus Netzhass Gewalt wird und was hilft, S.P.O.N. – Die Mensch-Maschine vom 19.08.2015. www.spie- gel.de/netzwelt (abgerufen am 10.09.15). Tipps für Eltern: Rechtsextremismus im Internet. So schützen sie Ihr Kind gegen rechtsextreme Inhalte imNetz. www.klicksafe.de . AJS FORUM 3-2015.indd 7 22.09.15 15:53 1. Gewaltphänomene | Hate Speech
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MTQ0NDgz