Reader Gewaltp NRW online

112 2/2001 12 Dokumentation Rechtsextremismus – nein danke! Fachforum zeigte große Bereitschaft von Jugendhilfe und Schule, sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt zu engagieren. Der Kölner Politikwissenschaftler Chri- stoph Butterwegge sagte, die Gesellschaft habe durch einseitige Ausrichtung auf den “ökonomischen Aspekt” (Stichworte: Wirtschaftsstandort, ökonomische Kon- kurrenz und Leistung) den Nährboden für Rechtsextremismus und Gewalt be- reitet: der Stärkere gewinnt, derjenige, der sich gegen andere – notfalls auch mit Gewalt – durchsetzen könne. Damit werde auch und gerade gegenüber He- ranwachsenden demonstriert, daß man in dieser Gesellschaft nur etwas wird, wenn man besser ist als die anderen und mehr leistet als sie. Obwohl die Ursachen für rechtsextre- mistisches Gedankengut mitten in der Gesellschaft zu finden seien, übernehme diese dafür keine Mitverantwortung, sondern suche ihrerseits nach Sünden- böcken, wie eben Jugendliche, auf die sie das Problem Rechtsextremismus abschieben könne. Der Kongreß war sich darin einig, daß es ein zentrales Anliegen der Jugendhilfe und der Schule sein muß, sich konkret mit dem Problem auseinanderzusetzen. „Es genügt nicht, einfach gegen Rechts- extremismus zu sein – wir brauchen sichtbare Zeichen und gute Vorbilder”, sagte Ministerin Fischer. Es ist notwendig, daß Jugendliche Flagge zeigen gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt, daß sie “Glatzen und Springerstiefeln mit Zivilcourage und guten Ideen entge- gentreten”, stellte sie das Anliegen des Landes heraus. Deshalb unterstützt ihr Haus mit dem NRW-Programm „Jugend gegen Rechts” viele vorbildliche Projekte. Wichtig sei auch, das Selbstvertrauen der Jugendlichen zu stärken, damit sie sich nicht von „falschen Führern” beein- flussen lassen. Nach Meinung der Ministe- rin ist nicht nur die Ideologie der Gruppen ausschlaggebend für die Anfälligkeit junger Menschen für extreme Ideologien, sondern auch deren persönlicher Hinter- grund. „Wir müssen den Jugendlichen deshalb gute Chancen der Bildung und Ausbildung vermitteln, um Ausgrenzung zu verhindern; auch ist eine bessere Das Interesse war groß – trotz vieler Veranstaltungen zum Thema Rechts- extremismus in jüngster Zeit. Rund 400 Fachleute und Projektaussteller nahmen an dem Fachforum „Für Demokratie und Toleranz – Jugendpolitik gegen Rechtsex- tremismus” am 11. Juni in der Mercator- halle in Duisburg teil. Das Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit (MFJFG) und die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS) Nordr- hein-Westfalen hatten zu dem Kongreß geladen. Es sollten Fragen nach den Ein- stellungen junger Menschen gegenüber Rechtsextremismus, ihren Ursachen und den Möglichkeiten der Prävention behan- delt werden. Welche Konzepte gibt es; was kann die Jugendhilfe, die Schule tun? Einiges ist darüber in den letzten Mo- naten schon gesagt worden und wurde in Duisburg nochmals bekräftigt. Zum Bei- spiel der Hinweis von Jugendministerin Birgit Fischer, daß Rechtsextremismus, Ausländerfeindlichkeit und Gewalt keine jugendspezifischen Probleme sind, son- dern in der Mitte der Gesellschaft wurzeln. Auf den Punkt brachte es AJS-Vorstands- mitglied Ulrike Werthmanns-Reppekus, indem sie feststellte, daß kein Kind „rechtsextrem gepolt“ geboren wird, und daß die „Ideenstifter woanders sitzen“. Bei einigen Jugendlichen seien rechts- extremistische Orientierungen Ausdruck ihrer Identitätsfindungssuche. R e c h t s e x t r em i smu s i m Internet Auf das Engagement des Kinder- und Jugendschutzes in der Vergangenheit gegen die Verbreitung von rechtsextremistischen Inhalten über Medien (in Zeitschriften, über Computerspiele und aktuell über das Internet) wies AJS-Vorstandsmitglied Ulrike Werthmanns-Reppekus in ihrem Eingangssatement hin. Sie begrüßte, daß die Jugendministerinnen und Jugend- minister der Europäischen Union (EU) auf Initiative Deutschlands Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Internet wirksamer begegnen wollen. Ein solches grenzüberschreitendes Aktionsbündnis unterstützte auch das Engagement gegen Rechtsextremismus in NRW. ● Wer sich näher über „Rechtsextre- mismus im Internet” informieren will, dem sei die gleichnamige Broschüre von IDA-NRW, Friedrichstr. 61a, 40217 Düsseldorf, Fax: 02 11/37 10 25 e-mail: info@IDA-NRW.de empfohlen (10 Mark). ● Bei der AJS, Poststr. 15-23, 50676 Köln, ist zudem der Text eines Vortrages „Rechtsextremismus und Internet” von Anne Broden, Leiterin des IDA-NRW, erhältlich, den sie auf der Landeskonfe- renz am 14. Dezember 2000 im Landtag (AJS und Kath. LAG NW) gehalten hat. Anforderung bitte schriftlich; Briefmar- ken im Wert von 3 Mark dazulegen. „Flagge zeigen“ gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt forderte Ministerin Birgit Fischer auf dem Fachforum in Duisburg (Foto: Bennohaus, Münster) Dokumentation 2/2001 12 Dokumentation Rechtsextremismus – nein danke! Fachforum zeigte große Bereitschaft von Jugendhilfe und Schule, sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt zu engagieren. Der Kölner Politikwissenschaftler Chri- stoph B tterw gge sagte, die Gesellschaft habe durch eins itige Ausrichtung auf den “ökonomischen Aspekt” (Stichworte: Wirtschaftsstandort, ökonomisc e Kon- kurrenz und Leistung) den Nährboden für Rechtsextremismus u d Gewalt b - reitet: der Stärkere gewinnt, derjenige, der sich gegen and re – notfalls auch mit Gewalt – durchsetzen könne. Damit werde auch und gerade gegenüber He- ranwachsenden demonstriert, daß man i dieser Gesellschaft nur etwas wird, wenn man besser ist als die anderen und mehr leistet als sie. Obwohl die Ursachen für rechtsextre- mistisches Gedankengut mitten in der G sellschaft zu fi den sei n, übernehme dies dafür kein Mitver ntwortung, sond rn suche ihrerseits nach Sünden- böcken, wie eben Jugendliche, auf die sie das Problem Rechtsextremismus abschieben könne. Der Kongreß war sich darin einig, daß es ein zentrales Anliegen der Jugendhilfe und der Schul sein muß, sich konkret mit d m Problem auseinanderzus tzen. „Es genügt nicht, einfach gegen Rec ts- extremismus zu sein – wir brauchen ichtbare Z ichen und gute Vorbilder”, s gte Ministerin Fischer. Es ist notwendig, daß Jugendliche Flagge zeigen gegen Fremdenfei dlichkeit u d Gewalt, daß sie “Glatzen und Springerstiefeln mit Zivilcourage und guten Ideen ntg - ge tr ten”, stellte sie das Anliegen des Landes heraus. Deshalb unterstützt ihr Haus mit dem NRW-Programm „Jugend gegen Rechts” viele vorbildliche Projekte. Wichtig sei auch, das Selbstvertrauen der Jugendlichen zu stärken, damit sie sich nicht vo „f lschen Führern” beein- flus e lassen. Nach Meinung der Ministe- rin ist nicht nur die Ideologi der Grupp n ausschlaggebend für die Anfälli keit junger Menschen für extreme Id ologien, sondern auch deren persönlicher Hint r- grund. „Wir müssen den Jugendlichen deshalb gute Chancen der Bildung d Ausbildung vermitteln, um Ausgrenzung zu verhindern; auch ist eine bessere Das Interesse war groß – trotz vieler Veranstaltungen zum Th ma Rechts- extremism s in jüngster Zeit. Rund 400 Fachleute und Projektaussteller nahmen an dem Fachforum „Für Demokratie und Toleranz – Jugendpolitik gegen Rechtsex- tremismus” am 11. Juni in der Mercator- halle i D isburg teil. Das Ministerium für Frauen, Jugend, Famili und Gesund eit (MFJFG) und die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS) Nordr- h in-Westfalen hatten zu dem Ko greß geladen. Es sollten Fragen nach d Ein- st llungen junger Menschen geg über Rechtsextremismus, ihren Ursachen und den Möglichkeit n d r Prävention behan- delt werden. Welche Konz pte gibt es; was kann die Jugendhilfe, die Schule tun? Ei iges ist darüber in den letzten Mo- naten schon gesagt worden und wurde in Duisburg nochmals bekräftigt. Zum Bei- spiel der Hinweis von Jugendministerin Birgit Fischer, daß Rechtsextremismus, Ausländerfeindlichkeit und Gewalt keine jugendspezifischen Probleme sind, so - dern in der Mitte der Gesellschaft wurzeln. Auf d n Punkt brachte es AJS-Vorstand - mitglied Ulrike W rthmanns-R ppekus, indem sie feststellte, daß kein Ki „rechtsextrem gepolt“ geboren wird, u d daß die „Ideenstifter woanders sitzen“. Bei einigen Jugendlichen seien rechts- extremistische Orie tier ng n Ausdruck ihrer Identitätsfindungssuche. R e c h t s e x t r em i smu s i m Internet Auf das Engagement des Kinder- und Jugendschutzes in der Vergangenheit gege die Verbreitung von rechtsextremistischen Inhalten über Medien (in Zeitschriften, über Computerspiele und aktuell über das Internet) wies AJS-Vorstandsmitglied Ulrike Werth anns-Reppekus in ihrem Eingan ssatement hin. Sie begrüßte, daß die Jugendministerinnen und Jugend- minister der Europäischen Union (EU) auf Initiative Deutschlands Rassismus und Fremdenfei dlichkeit im Internet wirksamer begegnen wollen. Ein solches grenzüberschreitendes Aktionsbündnis unterstützte auch das Engagement gegen Rechtsextremismus in NRW. ● Wer sich näher über „Rechtsextre- mismus im Internet” informieren will, dem sei die gleichnamige Broschüre von IDA-NRW, Friedrichstr. 61a, 40217 Düsseldorf, Fax: 02 11/37 10 25 e-mail: info@IDA-NRW.de empfohlen (10 Mark). ● Bei der AJS, Poststr. 15-23, 50676 Köln, ist zude der Text eines Vortrages „Rechtsextremismus un Internet” von Anne Broden, Leiterin des IDA-NRW, erhältlich, den sie auf der Landeskonfe- renz am 14. Dezember 2000 im La dtag (AJS und Kath. LAG NW) gehalten hat. Anforderung bitte schriftlich; Briefmar- ken im Wert von 3 Mark dazulegen. „Flagge zeigen“ gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt forderte Ministerin Birgit Fischer auf dem Fachforum in Duisburg (Foto: Bennohaus, Münster) chtsextremis us im Int rnet

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