Reader Gewaltp NRW online

126 11 1/2016 FORUM Der Salafismus ist seit einigen Jahren eine der dynamischsten religi- ösen Jugendsubkulturen in Deutschland. Sie bie- tet den Jugendlichen die Möglichkeit des Protests und der Provokation, aber auch – im extremen Fall – die Möglichkeit, in einem Gegenentwurf zur frei- heitlich demokratischen Grundordnung zu leben. Um diesem gesamtgesell- schaftlichenProblem langfristig zubegegnen, reichen sicherheitspolitische Repressionen nicht aus. Vielmehrmuss sich die Gesellschaft die Fragen stellen, warum sich Jugendliche dieser Ideologie überhaupt anschließen und was diese ihnen bietet, was wir als Gesell- schaft ihnen nicht bieten. Um Fachkräfte von öffentlichen und freien Trägern der Jugend- hilfe im Themenfeld zu qualifizieren und zu unterstützen, hat die AJS im Oktober 2015 ein neues Projekt gestartet: Plan P. Das Projekt hat die Aufgabe, in NRW mit prä- ventivenStrukturender salafistischenRadika- lisierung jungerMenschen entgegenzuwirken. In diesem Sinne arbeitet ein Projektteam aus den Bereichen Politikwissenschaft, Religions- und Islamwissenschaft und (interkulturelle) Jugendarbeit, unterstützt von einer Fachkraft für Gewaltprävention, in den nächsten vier Jahrenmit demZiel, ein landesweites Kompe- tenz- und Beratungsnetzwerk imRahmen der Regelstrukturen des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes aufzubauen. Gefördert wird Plan P. durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW und im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie Leben!“. Der Name Der Name „Plan P.“ spiegelt das Projektziel wider, in NRW flächendeckend präventive Strukturen zu etablieren. Um salafistische Radikalisierung nicht nur unter demGesichts- punkt der Sicherheitspolitik zu betrachten, zielt die Assoziation zu „Plan B“ darauf ab, dass es einen alternativen Weg geben muss: die Prävention. Obwohl sich das Projekt an die Fachkräfte von öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe richtet und nicht direkt an Jugendliche, steht das Element „Jugend“ imNamen. So wird ein allgemeiner Jugendbezug hergestellt und das Phänomen salafistischer Jugendsubkulturen sprachlich nicht als ein „Islam-Problem“ etikettiert. Das Stichwort „stark machen“ lässt den Empowerment-Ansatz erkennen und der Ausdruck „salafistische Radikalisierung“ vermeidet ein pauschales „gegen Salafis- mus“. Das ist wichtig, da nicht alle Formen des Salafismus per se problematisch sind. Aber Formulierungen wie „gewaltbereiter“ oder „extremistischer“ Salafismus fassen das Präventionsziel zu eng. Denn auch abseits einer extremistischen Ausprägung kann es in Schule, Jugendeinrichtung und Familie zu Konflikten kommen, die im Extremfall zur Kindeswohlgefährdung führen. Die Formulie- rung „salafistische Radikalisierung“ legt den Fokus auf den Prozess der Radikalisierung und findet so einen Mittelweg. Die Fortbildungsreihe Die erste Fortbildungsreihe beginnt im April 2016, eine weitere folgt im Herbst 2016 (8./9.9., 29./30.9. und 3./4.11.). In drei Modu- len – ERKENNEN, HANDELN, VOR ORT – wird schrittweise an das Phäno- men salafistischer Jugend- subkultur herangeführt und das nötigeWissen vermittelt, um Herausforderungen in der Jugendarbeit angemes- sen und mit differenziertem Blick zu begegnen. Im er- sten Modul ERKENNEN wird Grundlagenwissen zu Islam und Salafismus vermittelt so- wie die Fähigkeit ausgebaut, zwischen Frömmigkeit und einer salafistischen Ideologie unterscheiden zu können. Radikalisierungs- ursachen und -prozesse stehen im zweiten Modul HANDELN imFokus, wobei die Teilneh- menden verschiedene Handlungsoptionen aufgezeigt bekommen und diskutieren. Im dritten Modul haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, eigene Konzepte zu entwickeln, um diese VOR ORT umzusetzen. Im Laufe der Fortbildung werden bestehen- de lokale Präventionsprojekte vorgestellt und die Teilnehmenden im Aufbau eigener präventiver Netzwerke unterstützt. Be- gleitet werden die Module von praktischen Übungen, dazu gibt es Informations- und Arbeitsmaterialien zur lokalen Verbreitung. Neben der Fortbildungsreihe besteht die Möglichkeit, das Projektteam für eintägige Informations- und Sensibilisierungsveran- staltungen in Einrichtungen der Jugendhilfe vor Ort zu buchen. Zudem wird die AJS in Kürze eine Informationsbroschüre zur „He- rausforderung Salafismus“ für die Fachkräfte der Jugendhilfe veröffentlichen. Yvonne Dabrowski (AJS) dabrowski@mail.ajs.nrw.de AJS FORUM 1-2016.indd 11 21.03.16 12:13

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