Reader Gewaltp NRW online
127 rer und interkulturelle Berater Mohammed Assila, wie man Moscheen als Kooperations- partner gewinnen kann. Ein Schwerpunkt lag zudem auf den Fallstricken in der Praxis. Diese erläuterte der Islamwissenschaftler Michael Kiefer im Hinblick darauf, was Vo- raussetzungen gelungener Prävention im Themenfeld Radikalisierung sind. Als Beispiel, wie ein Ansprech- und Koope- rationsnetzwerk aufgebaut werden kann, damit es zu nachhaltigen präventiven Struk- turen beiträgt, wurde Köln vorgestellt. Hier ist ein Baustein das Peer-to-Peer Konzept der Präventionsinitiative 180 Grad Wende. Idee ist es, dass engagierte junge Menschen als Mentor/-innen ausgebildet werden, um etwaige Radikalisierungstendenzen bei Ju- gendlichen aus ihrem Umfeld zu erkennen und diesen entgegensteuern zu können. Nach eigenen Angaben haben sie seit 2012 bereits 800 Jugendliche beraten. 180 Grad Wende ist mittlerweile nicht nur in Köln vertreten, son- dern auch in Bergisch-Gladbach, Leverkusen und bald auch in Bonn. Yvonne Dabrowski (AJS) Die zweite sechstägige Fortbildungs- reihe für Fachkräfte des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes wird an folgenden Terminen stattfinden: 8./9.9.2016 29./30.9.2016 3./4.11.2016 Anmeldung über: www.ajs.nrw.de 9 2/2016 FORUM » Vor der Fortbildung hatte ich eher wenig Ahnung auf diesem Themengebiet. Nun merke ich, dass ich handlungssicherer mit dem Thema umgehen kann. « ERKENNEN und HANDELN VOR ORT Plan P. – Jugend stark machen gegen salafistische Radikalisierung » Schon die ersten Inhalte der Fortbildungsreihe konnte ich gleich bei den Jugendlichen anwenden. « Die erste sechstägige Fortbildungsreihe für Fachkräfte des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes zu Fragen der Prävention salafistischer Radikalisierung ist geschafft. In drei Modulen ERKENNEN, HANDELN, VOR ORTwurden die Teilnehmenden schrittweise an das Phänomen salafistischer Jugendsub- kultur herangeführt. Ihnenwurde das nötige Wissen vermittelt, um Herausforderungen in der Jugendarbeit angemessen und mit differenziertem Blick zu begegnen. Der erste Block mit dem Schwerpunkt ER- KENNEN befasste sich mit einer klaren Dif- ferenzierung zwischen dem Islam, den die überwiegende Mehrheit der Muslime friedlich lebt, und dem Salafismus als einer kleinen Minderheit. Der inhaltliche Fokus wurde hier auf den zeitgenössischen Salafismus gelegt, der den Ausgangspunkt einer kleinen, aber dynamischen und schnell wachsenden Ju- gendsubkultur bildet. Begleitet wurden die Inhalte mit praktischen Übungen, in denen die Teilnehmenden das erworbene Wissen an- wenden konnten. Eine Übung zielte etwa auf die Sensibilisierung von Fremdwahrneh- mung und Schubladen- denken. Gleichzeitig lernten die Teilneh- menden Personen kennen, die deutsch- muslimische Jugendzentren mitprägen. Das zweite Modul HANDELN setzte den Fokus auf die konkrete Handlungsebene. Wissen über Radikalisierungsprozesse ist eine Grundvoraussetzung, umpräventiv han- deln zu können. Daher lag der Schwerpunkt zunächst auf der Frage, warum Jugendliche ganz unterschiedlicher sozialer Herkunft –mit oder ohne Migrationsherkunft, fromme wie kaum religiöse, gebildete wie solche, denen Perspektiven fehlen – überhaupt empfänglich sind für radikale Angebote. Dazu berichtete der Aussteiger Dominic Musa Schmitz von seinen eigenen Erfahrungen als Salafist und beantwortete die Fragen der Teilnehmenden. Zusätzlich wurden den Teilnehmer/-innen bereits bestehende Projekte, Netzwerke und Materialien zur Radikalisierungsprävention vorgestellt. Ziel war dabei, Ideen für eigene Projekte vor Ort zu bekommen und die lokale Vernetzung zu fördern. Zu den vorgestellten Projekten gehörten u. a. die Ausstellung „Was glaubst du denn?“ von der Bundes- zentrale für politische Bildung. Ihr Thema ist der friedliche und respektvolle Dialog zwischen den Religionen und Kulturen. Das Projekt „Extremismus – nicht mit UNS e.V.“ vom Sportverein Genc Osman in Duisburg de- monstrierte, dass sich Fußball, Jugendzen- trum und Moschee ge- genseitig unterstützen können. ZumAbschluss bewiesen die jungen Berliner/-innen von den „Datteltätern“, die einen deutsch-mus- limischen Satirekanal auf YouTube betreiben, dass man mit Satire (anti-)muslimische Ste- reotype kreativ entkräften kann. Zum einen erklären sie Klischees über Muslimen den „Bildungsjihad“ und zumanderen wollen sie der salafistischen Internetpropaganda etwas entgegensetzen. ImdrittenModul VORORT hatten die Teilneh- menden die Gelegenheit, Konzepte anderer Einrichtungen kennenzulernen und eigene Ideen und Planungen für ihre Einrichtungen vor Ort zu entwickeln. Wie man präventiv innerhalb von muslimischen Gemeinden arbeiten kann, zeigten Mitarbeiterinnen der Frauenbegegnungsstätte Utamaramit ihrem Projekt „Frauen stärken Demokratie“. Da die Zusammenarbeit mit Moscheen vor Ort elementar ist, erklärte der Islamkundeleh- AJS FORUM 2-2016.indd 9 20.06.16 14:22 1. Gewaltphänomene | Salafistische Radikalisierung
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MTQ0NDgz