Reader Gewaltp NRW online

165 Allen Kindern soziale Kompetenzen vermitteln Wenn der konstruktive Umgang mitein- ander nicht mehr vorausgesetzt werden kann, müssen soziale Kompetenzen ebenso wie andere fachliche Inhalte und Fertigkeiten systematisch erworben wer- den, z.B. in einem obligatorischen sozialen Kompetenztraining. Was für das Lernen von Vokabeln gilt, gilt auch für soziales Lernen: Es muss vermittelt, gefestigt, der Transfer geübt und die erfolgreiche Anwendung bekräftigt werden. Kinder wissen häufig nicht, wie sie sich sozial verhalten sollen. Die Aufgabe der Erwachsenen ist es, ihnen dabei zu helfen. Erforderlich sind Erwachsene mit Vorbildcharakter und Pädagogen, die in der Vermittlung dieser Kompetenzen aus- bzw. fortgebildet sind . Für Lehrer bedeutet dies eine besondere Herausforderung, denn als Experten in ihren Fächern ist ihnen der Umgang mit dem emotionalen ABC relativ unvertraut. Ihnen im Rahmen von Fortbildung gewaltpräventive Kom- petenzen zu ermöglichen, ist mindestens ebenso dringend wie die Nachqualifikation für den Umgang mit den Neuen Medien. Gewaltprävention in der Schule steht und fällt mit der Lehrerfort- und Ausbil- dung und nicht mit der Einführung von isolierten Programmen, die die Mehrheit der Schülerschaft nicht erreicht. Bezogen auf Mediation heißt das, Streitschlich- tung nicht nur auf einzelne Jahrgänge zu beschränken, sondern als durchgängiges Unterrichtsprinzip in allen Jahrgängen zu verankern. Schulen, so die Erkenntnis der Gewalt- prävention, müssen sich zu Orten entwic- keln, wo sich Kinder sicher fühlen, wo sie anerkannt werden, wo der Erwerb sozialer Verhaltensweisen ebenso verständlich ist wie die Aneignung von Fremdsprachen und PC Kenntnissen. Sie müssen sich zu Orten entwickeln, wo der Umgang miteinander gelernt wird, wo Schüler Verantwortung übernehmen und lernen, Entscheidungen zu fällen und Konflikte zu lösen. Diese Möglichkeiten müssen allen Schülern eingeräumt werden, un- abhängig von ihrer Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht und unabhängig davon, ob sie das Privileg haben, als Mediator oder als Mediatorin ausgebildet zu werden oder nicht. Ihnen den Erwerb dieser Kompetenzen zu versagen, heißt ihnen Chancen für die Zukunft zu nehmen, in der nicht nur Faktenwissen, sondern vor allem auch Kreativität, interkulturelle Kompetenz, Empathie und soziale Intel- ligenz gefragt sind. (Literatur/Quellenangaben sind bei der AJS erhältlich) Dr. Ingrid Engert Studiendirektorin im Hochschuldienst Universität Bielefeld, AG 4 Schwerpunkt: Schulische Gewaltprävention, Soziales Lernen, Mediation Adresse: Universitätsstr. 25, 33615 Bielefeld Die Autorin wird in einer der nächsten Ausgaben auf die Zusammenarbeit bei der Streitschlichtung von Jugendhilfe und Schule eingehen. „Ich habe diese Konferenz einberufen, weil ich mich nach etwas menschlicher Nähe sehne.“ aus: WamS 3. Präventionsfelder | Schule 3/2000 6

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