Reader Gewaltp NRW online

166 9 3/2000 Projekte gegen Rassismus und Gewalt sollen Schule machen Ministerin Fischer: Jugendliche sollen immun werden gegen Intoleranz, Fremdenfeind- lichkeit und rechtsradikale Ideologie „Jugendliche sollen immun werden gegen Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und rechtsradikale Ideologien. Ich will ihre Stärken fördern. Wer Selbstvertrauen hat, wer gelernt hat, angstfrei und offen auf andere Menschen unterschiedlich- ster Herkunft und Kulturen zuzugehen, der läßt sich nicht von falschen Führern beeinflussen oder zu Schlägereien und Gewalt verführen.“ Dies sagte die nordrhein-westfälische Jugend- und Familienministerin Birgit Fischer Mitte August in Düsseldorf zur Vorstellung der Dokumentation „Antiras- sistische und interkulturelle Projekte in Schule und Jugendarbeit in Nordrhein- Westfalen“. Die hier beschriebenen Bei- spiele machten deutlich, wie - jenseits aller alarmierender Meldungen der letzten Tage und Wochen - junge Menschen aus unterschiedlichen Kulturen aufeinander zugehen und gemeinsam Stellung gegen Rassismus und Antisemitismus beziehen. Sie sollen möglichst viele Menschen zu ähnlichen Aktionen ermuntern. Ministerin Birgit Fischer sagte, daß sol- che Maßnahmen im Rahmen der Jugend- arbeit besonders unterstützet werden. Viele der in der Broschüre dargestellten Projekte werden aus Landesmitteln geför- dert: „Wir haben unter anderem deshalb den Landesjugendplan – das zentrale Instrument des Landes zur Förderung der Jugendarbeit – neu gestaltet, um verstärkt vorbeugende Angebote und Hilfen für Kinder und Jugendliche in Kon- fliktsituationen oder Notlagen, Projekte der Gewaltvorbeugung und die Arbeit von Initiativgruppen zu unterstützen.“ Die in Zusammenarbeit mit der In- formations- und Dokumentationsstelle gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit NRW (IDA) her- ausgegebene Dokumentation beschreibt einen breiten Querschnitt von antirassi- stischen und interkulturellen Projekten in Nordrhein-Westfalen. Beispiele: ● „Eine Welt im Circuszelt“ können jährlich 100 ausländische, asylsu- chende und deutsche Kinder und Jugendliche aller Nationalitäten eine Woche lang in Langenfeld erleben. Unter Anleitung einer Circusfamilie entwickeln sie gemeinsam ihre Fähig- keiten als Clown, Seiltänzer, Jongleure oder Feuerspucker. Am Ende der Projektwoche präsentieren die sechs- bis dreizehnjährigen Artistinnen und Artisten aus etwa zehn Nationen ihr Können in einer Galavorstellung. Die Organisatoren („soziale Brennpunte e.V.“ in Zusammenarbeit mit der In- itiative „Langenfeld gegen Rassismus“) wollen mit dem Projekt zu einem bes- seren Miteinander zwischen Kulturen und Nationalitäten beitragen. ● Mit den „Weltreisen durch die Stadt“ bietet das Krefelder Jugendamt eine besondere Variante der interna- tionalen Begegnung. Der Austausch wird hier nicht über Ländergrenzen hinweg gefördert, sondern durch die Begegnung unterschiedlicher Kulturen innerhalb der Stadt. Kern des Projektes sind organisierte „Stadtrundfahrten“ für Kinder, Jugendliche und Familien. Ziel dieser „Stadtrundfahrten“ sind dabei nicht die üblichen städtebau- lichen Sehenswürdigkeiten, sondern das Zuhause verschiedener deutscher und ausländischer Familien. Jeweils drei Gastgeberfamilien bieten jeder „Reisegruppe“ ihre Gastfreundschaft an, um anderen Menschen Einblicke in ihr tägliches Leben zu geben, darüber ins Gespräch zu kommen, Kontakte zu knüpfen und vielleicht sogar Freund- schaften zu schließen. ● Mit „Rap for Courage at work“ wer- den Mädchen und Jungen in Jugend- zentren, Schulen und Gruppen einge- laden, ihre eigenen Ideen und Themen in Text, Musik und Film umzusetzen. Ein Team von vier Rapperinnen und Rappern der „Sons of Gastarbeita“ und zwei Filmemacherinnen und -ma- cher der Spiel- und Theaterwerkstatt Villigst begleiten die Gruppen aus 12 bis 20 Jugendlichen in viertägi- gen Workshops mit professioneller Aufnahme- und Soundtechnik. Von ersten Ideen zum eigenen Rap über Textentwürfe und Videoproduktionen entstehen Beiträge, die am Ende des Projektes öffentlich live oder auf der Videoleinwand präsentiert werden. Mit dem Projekt sollen Jugendliche die Chance bekommen, Gefühle von Ohnmacht und Perspektivlosigkeit in positive Energie umzuwandeln: Wut rauslassen, öffentlich die eigene Meinung sagen, ein Stück Selbstbe- wußtsein entwickeln und neue Wege zur Selbstbehauptung finden. Ausführlich werden in der Broschüre Projekte aus Bergisch-Gladbach, Biele- feld, Bonn, Detmold, Dortmund, Duisburg, Essen, Gladbeck, Hamminkeln, Hattin- gen, Köln, Krefeld, Lage, Langenfeld, Münster, Neuss, Schwerte, Solingen und Wuppertal dargestellt. Die Broschüre „Vielfalt statt Einfalt – Antirassistische und interkulturelle Projekte in Schule und Jugendarbeit in Nordrhein-Westfalen“ kann kostenlos bestellt werden bei der Informations- und Dokumentationsstelle gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Ausländerfeind- lichkeit in NRW (IDA), Friedrichstr. 61a, 40217 Düsseldorf, Tel.: 0211/371070, Fax: 0211/371025. Politik

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