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196 Bericht 2/2013 15 Die „Wiederentdeckung des Opfers“ 18. Deutscher Präventionstag in Bielefeld Täterprävention ist immer auch Opfer- schutz, denn Prävention trägt dazu bei, dass Menschen erst gar nicht Opfer von Straftaten werden. Dies ins Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken war ein Anliegen des 18. Deutschen Präventionstages (DPT). Neben Opfervermeidung ging es am 22. und 23. April 2013 in Bielefeld unter dem Kongressthema „Mehr Prävention – weniger Opfer“ auch darum, den Blick auf die Opfer zu schärfen und ihnen mehr Un- terstützung anzubieten. Denn viele Opfer fühlen sich mit ihremLeid und ihren Bedürfnissen alleine gelassen. In der abschließenden „Bielefelder Erklärung“ der Veranstalter wurde festge- stellt, dass das empirische Wissen zum Op- ferwerden und zu den Opferinteressen noch immer unbefriedigend ist und die Wünsche der Betroffenen nach emotionaler Unter- stützung, Hilfe und Wertschätzung zu wenig berücksichtigt werden. Vor allem der Proble- matik männlicher Gewaltbetroffenheit müsse mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, da Jungen und (junge) Männer wegen des rollentypischen Klischees (ein Mann kann nicht „Opfer“ sein) unter einem Opferstatus oft besonders leiden. Mit rund 3000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war der 18. DPT gut besucht. Die Fachkräfte kommen aus allen gesell- schaftlichen Feldern, die sich mit Prävention, Sicherheitsfragen und Rückfallverhütung befassen, darunter auch etliche Mitarbeite- rinnen und Mitarbeiter aus Jugendämtern, von freien Trägern und Jugendhilfeinitiativen sowie Fortbildungsanbietern. Gegenüber polizeilichen Fachkräften ist die Kinder- und Jugendhilfe allerdings noch immer stark unterrepräsentiert. Schulische Fachkräfte fehlen fast gänzlich, obgleich viele Präven- tionsmaßnahmen gerade im Bereich der Schulen durchgeführt werden. Sowohl die Fachvorträge, Projektspots, Film- und Theatervorstellungen als auch die umfangreiche Ausstellung mit rund 140 Infoständen informierten über die aktuelle Forschungslage und vermittelten einen Überblick über die vielen kriminal- und gewaltpräventiven Programme, Projekte und Initiativen im ganzen Bundesgebiet. Das ju- gendschutzrelevante Themenspektrum reicht von der Gewaltprävention im Kindergarten über Fan-Sozialarbeit und Extremismusprä- vention bis zu Peerprojekten gegenMobbing und Gruppentraining für jugendliche Mob- bingopfer. Besonders gut besucht waren zum Beispiel die Veranstaltungen, die sich mit der Wirksamkeit von Prävention befassten. In einem Vortrag stellten Präventionssachver- ständige, wie die Professoren Andreas Beelmann, Herbert Scheithauer, Siegfried Preiser, einen Leitfaden für die Praxis vor, in dem Qualitätskrite- rien für die Auswahl und Durchführung wirksamer ge- waltpräventiver Programme in übersichtlicher Form ge- nannt werden. (Kostenlos zu beziehen/herunterzuladen unter: www.kriminalpraevention.de .) Aus Fehlern lernen Ein weiterer Beitrag zur Qualitätsdebatte stellte die Frage, ob wir nicht zusätzlich zur Darstellung wirksamer Programme auch eine „Rote Liste Prävention“ brauchen, die nicht-empfehlenswerte Programme aufli- stet. In beiden Veranstaltungen wurde der Wunsch geäußert, dass Projektträger nicht nur die Erfolge ihrer Programme herausstel- len. Mindestens ebenso viel lernen könne man von schwierigen Prozessen, Fehlern und nicht erreichten Zielen. Die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS) Landesstelle Nordrhein- Westfalen war wie in den vergangenen Jahren auch in Bielefeld mit einem eigenen Informationsstand vertreten. Das Zusam- menkommen von vielen Akteuren der Kriminalitäts- und Gewaltprävention aus dem ganzen Land und Bundesgebiet för- dert die Kommunikation und Vernetzung. Besonders erfreulich aus Sicht der AJS: Die AJS-Broschüren finden nach wie vor großes Interesse. Viele Fachkräfte spiegeln wieder, dass diese Informationshilfen die örtliche Präventionsarbeit sehr gut unterstützen. Veranstaltungspartner und Gastgeber war in diesem Jahr das Land Nordrhein-West- falen, in dem der Deutsche Präventionstag zuletzt im Jahr 2001 stattge- funden hatte. Die Liste der ständigen Veranstaltungs- und Kooperationspartner ist traditionell sehr um- fangreich und weit gefä- chert. Denn beim DPT geht es vor allem darum, Prävention bundesweit und institutionsüber- greifend zu vernetzen und voneinander zu lernen. Der DPT ist der größte europäische Kongress zur Kriminalprävention und zieht immer auch Fachleute und Wissenschaftler aus vielen europäischen und außereuropä- ischen Ländern an. Carmen Trenz (AJS) carmen.trenz@mail.ajs.nrw.de Mit Broschüren und weiterenMaterialien beimPräventionstag: Katja Roppes, AJS-Mitarbeiterin, amStand. Heute fürein besseres Morgen. Leitfaden StiftungDeutschesForum fürKriminalprävention Entwicklungsförderung undGewaltprävention für jungeMenschen ImpulsedesDFK-Sachverständigenrates fürdie Auswahl&DurchführungwirksamerProgramme - EinLeitfaden fürdiePraxis - DREI-W-VERLAG SusannePhilipp PERSÖnlIChKEIt stärken und schützen Informationen für Eltern Jugendschutz imInternet 1021PersönlichkeitsrechtealsBroschüre.indd 1 15.03.13 10:51 i t Viele Vorträge und Texte können auf der DPT-Homepage unter www.praeven- tionstag.de (Dokumentation) nachgelesen werden.

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