Reader Gewaltp NRW online

197 10 Wirksame Ansätze zur Gewaltprävention Praxis-Leitfaden zur Qualitätssicherung gewaltpräventiver Programme bleme entwickeln. Damit korre- spondiert eine Grundhaltung, die sich eher an gelungener Entwicklung und den Potentia- len junger Menschen als an der Vermeidung negativer Dyna- miken orientiert. Als theoretische Basis für Präventions- und Interven- tionsprogramme haben sich Entwicklungstheorien, Theorien des sozialen Lernens und der Infor- mationsverarbeitung bewährt. Zum Beispiel kann bei Kindern, die Situationen oft als feind- selig wahrnehmen und daher aggressiv reagieren, ein Verhaltenstraining eine angemessene soziale Wahrnehmung fördern. Die Sachverständigen betonen, dass für die Effektivität eines Pro- grammes die Durchfüh- rungsmodalitäten ähn- lich wichtig sind wie die Inhalte, was gelegentlich vernachlässigt werde. Zu den Durchführungsmerk- malen zählen: optima- ler Umfang und Länge der Maßnahmen, methodische Umsetzung (wirksam sind vor allem interaktive Methoden), didaktisches Konzept (Aufbau, Materialien, Setting, struktu- riertes Vorgehen, individuelle Anpassung). Evaluierte Maßnahmen Gefördert werden sollen nur „evidenzbasierte“ Programme, deren Wirksamkeit also nach- gewiesen ist. Obligatorisch sollte auch eine Prozessevaluation sein, die z. B. prüft, ob die Ziel- gruppe erreicht wurde, die Teil- nehmer zufrieden sind, Probleme auftreten oder warum etwa Pro- grammänderungen vorgenom- men wurden. Präventionsmaß- nahmen sollten grundsätzlich Die Stiftung Deutsches Fo- rum für Kriminalprävention (DFK) hat den Leitfaden „Ent- wicklungsförderung und Ge- waltprävention für junge Men- schen“ veröffentlicht, in dem Impulse für die Auswahl und die Durchführung wirksamer Programme zusammengestellt sind. An der Erstellung hat ein Sachverständigenrat von 13 namhaften Psychologen und Kriminologen mitgewirkt. Mit dem Leitfaden will die DFK das inzwischen umfangreiche Wis- sen um wirksame Ansätze und nachhaltige Gewaltprävention in Praxis und Politik vermit- teln. Ein Verbesserungsbedarf wird vor allem bei der Aus- und Fortbildung und bei der Orga- nisationsentwicklung von Kitas, Schulen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe gese- hen. Unterentwickelt ist auch die Verzahnung der verschiedenen Angebote. ImFolgenden werden die Schwerpunkte des Berichts genannt (kostenloser Download des Leitfadens unter www.krimi- nalpraevention.de) . Theoriegeleitete Maßnahmen Präventionsmaßnahmen soll- ten sich an den wissenschaftlich belegten Risikofaktoren für dissoziales und gewalttätiges Verhalten orientieren. Nach dem „bio-psycho-sozialen Entwick- lungsmodell“ entwickeln vor allem Kinder und Jugendliche mit vielfältigen sozialen und biologischen Risiken (Multi- Problem-Milieu) langfristiges problematisches Sozialverhal- ten. Die Präventionsforschung hat aber zugleich nachgewiesen, dass vor allem die Förderung von Schutzfaktoren (z. B. für- sorgliche Eltern oder Betreu- ungspersonen, eine gute schu- lische Ausbildung) dazu beiträgt, dass Kinder trotz ungünstiger Umwelt keine Verhaltenspro- fortlaufend evaluiert werden. Evaluationen tragen dazu bei, dass sich Einrichtungen und Programme sinnvoll weiterent- wickeln. Als wirksam haben sich vor allem folgende Präventionsan- sätze erwiesen: Soziale Trai- ningsprogramme für Kinder, Elterntrainings, familienorien- Erfolgreiche Maßnahmen Evaluationsstudien haben ge- zeigt, dass gute Präventionsmaß- nahmen nachhaltig Risikofak- toren reduzieren und kriminelle Karrieren verhindern können. Auch volkswirtschaftliche Ko- sten-Nutzen-Analysen deuten darauf hin, dass geeignete Prä- vention langfristig beträchtliche Kosten einsparen kann. Das gilt vor allem für Frühintervention in Familien in sozialen Brennpunkten oder bei Risikofamilien. Wissenstransfer Die Sachverstän- digen erhoffen sich, dass der Transfer wis- senschaftlicher Ergeb- nisse über professio- nelle Praktiker/-innen, Verantwortliche in Verwaltung und Poli- tik, lokale Netzwerke und über Medien in die Praxis gelingt. Hie- rin sieht auch die AJS eine wichtige Aufgabe. In der AJS Broschüre „Was hilft gegen Ge- walt? Qualitätsmerkmale für Gewaltprävention. Übersicht über Programme“ wurden daher die wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse für ein breites Fachpublikum aufbereitet. Carmen Trenz carmen.trenz@mail.ajs.nrw.de 4/2013 Heute für ein besseres Morgen. Leitfaden Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention Entwicklungsförderung und Gewaltprävention für junge Menschen Impulse des DFK-Sachverständigenrates für die Auswahl & Durchführung wirksamer Programme - EinLeitfaden fürdiePraxis - tierte Frühinterventionen ins- besondere bei Risikofamilien sowie individuelle und struktu- relle Maßnahmen in der Schule (z.B. Schulregeln gegen Gewalt). Über erfolgreich evaluierte Prä- ventionsprogramme in Deutsch- land informiert der Landesprä- ventionsrat Niedersachsen: www. gruene-liste-praevention.de . Bei der Auswahl der Ziel- gruppe ist zu bedenken, dass spezielle Programme für ver- haltensauffällige Kinder und Jugendliche zwar oft wirksamer sind als universelle Maßnah- men. Will man aber Abwehr oder Stigmatisierung der Ziel- gruppe vermeiden, kann es sinnvoll sein, etwa eine ganze Klasse einzubeziehen. Dokumentation Was hilft gegen Gewalt? Qualitätsmerkmale für Gewaltprävention Übersicht über Programme Informationen für Kindergarten, Schule, Jugendhilfe, Eltern DREI-W-VERLAG 1018Gewaltprävention.indd 1 20.08.2008 16:55:12Uhr Dokumen 5. Qualitätskriterien

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