Reader Gewaltp NRW online

21 41 Nachdem es bis dahin kaum nennens- werte Studien zur Gewalt an Schulen in Deutschland gab, wurden in den 1990er Jahren mehrere groß angelegte empi- rische Untersuchungen durchgeführt, u. a. von der Ruhr Universität Bochum (1993), der Universität Bielefeld in hessischen Schulen (1994) und demKriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (1998), sowie kleinere regionale Befragungen. Di- ese ergaben übereinstimmend, dass ent- gegen vieler Medienberichte massive Ge- walttaten die Ausnahme, andere Formen der Gewalt, vor allem verbaler und psy- chischer Art, aber durchaus verbreitet sind. Allerdings fühlten sich viele schulische und sozialpädagogische Fachkräfte zu wenig darauf vorbereitet, mit Verhaltens- auffälligkeiten, Delinquenz und Gewalt- vorkommnissen professionell umzugehen. Daher stießen Fortbildungsangebote zur Aggressionsbewältigung und zur präven- tiven Vermittlung sozialer Kompetenzen, so auch entsprechende Veranstaltungen der AJS, auf großes Interesse. Im Zuge der Gewaltdebatte erschienen außerdem viele Fachbücher und Arbeitshilfen mit Analysen, Konzepten und Methoden der Gewaltprävention. Umden Fachkräften ei- nen kompakten Überblick über einschlä- gige Literatur, Studien, Analysen und Pro- jekte zu bieten, gab die AJS 1994 in der Reihe AJS-Dokumentationen den Mate- rialienband Gewalt und Gewaltprävention (2. erweiterte Auflage 2000) heraus. Eine besondere Brisanz bekam das The- ma Gewalt an Schulen durch mehrere schwere Amokvorfälle mit Toten und Ver- letzten (Erfurt 2002, Emsdetten 2006, Win- nenden 2009). Diese Taten machten noch- mals deutlich, dass Schulen sich mit den Problemen von Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen müssen und auf allen Ebenen – Schule, Klasse und beim Ein- zelnen – darauf hingewirkt werden muss, dass Schülerinnen und Schüler ihre Kon- flikte und Probleme konstruktiv und ohne Gewalt lösen. Verbindliche Normen und Regeln sowie ein positives wertschät- zendes Schulklima haben sich als zen- trales Fundament für gelingende Gewalt- prävention erwiesen. Lange unterschätzte Gewaltphäno- mene: Mobbing und Cyber-Mobbing Anfang der 2000er Jahre wurde zunehmend deutlich, dass vor allem psychische Schi- kanen, versteckte körperliche Übergriffe und Ausgrenzung im Schulalltag präsent sind. Mobbing ist extrem weit verbreitet Jugendkriminalität und Gewaltprävention 2 Schwind, Hans/Baumann, Jür- gen u. a. (Hrsg., 1999): Ursa- chen, Prävention und Kontrolle von Gewalt. Analysen und Vor- schläge der Unabhängigen Re- gierungskommission zur Verhin- derung und Bekämpfung von Gewalt (Gewaltkommission), Dun- cker & Humblot, Berlin, Bde. I-IV. 60 Jahre AJS Finale.indd 41 12.10.13 17:27 1 Grundlagen Strukturen Handlungsformen •60JahreKinder-undJugendschutzinNordrhein-Westfalen Jugendschutz Jugendschutz Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz LandesstelleNordrhein-Westfalen e.V. Grundlagen•Strukturen•Handlungsformen

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