Reader Gewaltp NRW online

210 8 1/2008 Praxis Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Landesstelle Nordrhein-Westfalen e.V. Poststraße 15 - 23 • 50676 Köln Telefax 0221/92 1 3 92-20 www.ajs.nrw.de DieAJSwird gefördert vom Wann oder wie lange in die Disco? Welche Computerspiele ab welchem Alter? Welcher Film ab welchem Alter? Fragen zum Jugendschutz? Telefon-Hotline: 02 21 / 92 13 92-33 mo., di., mi. 9 – 17 Uhr do. 9 – 19 Uhr fr. 9 – 15 Uhr e-mail: auskunft@mail.ajs.nrw.de Gegen Mobbing und Bullying Erfahrungen mit dem „No Blame Approach“ Verbreitung von Mobbing und Reaktionsmöglichkeiten Die aktuelle Forschung in Deutschland zumThema Mobbing zeigt, dass an den Grund- und wei- terführenden Schulen eine große Zahl von Kindern und Jugendli- chen teilweise massiv gemobbt wird. Mobbing bzw. Bullying hat es schon immer in beträchtlichem Ausmaß gegeben, aber lange Zeit wurde das Problem kaum wahr- genommen und zu wenig dagegen unternommen. Die breite öffentliche Thema- tisierung des Problems Mobbing im Kindes- und Jugendalter hat zu einer höheren und sensibleren Wahrnehmung bei Eltern und Päd- agoginnen und Pädagogen geführt. Insbesondere wurde erkannt, wie sehr gemobbte Kinder und Jugendliche unter den Schikanen leiden und das manchmal über viele Jahre und teilweise auch noch als Erwachsene. Weithin geblieben ist die Rat- losigkeit, was Erwachsene, meist die Lehrerinnen und Lehrer, tun können, damit das Mobben auf- hört bzw. Mobbingprozesse ge- stoppt werden. Zudem hat die Münchener Forschergruppe um Mechthild Schäfer und Stefan Korn herausgefunden, dass viele Interventionen wirkungslos und im schlimmeren Fall sogar schäd- lich sind. Der „No Blame Approach“: Ein wirksamer Interventionsansatz Der „No Blame Approach“ stammt aus England und wurde bisher in der Schweiz und neu- erdings auch in Deutschland mit erstaunlichem Erfolg in der schu- lischen Praxis eingesetzt. Die Methode beruht auf einem lösungsorientierten Ansatz. Es wird nicht gefragt, wie und warum gemobbt wurde, sondern die Auf- merksamkeit und Interventionen sind darauf gerichtet, dass das Mobben aufhört. Die Täter werden – ohne Schuldzuweisung und ohne be- straft zu werden – in die Lösung eingebu den. Schuldzuweisungen und Strafen führen erfahrungsmäßig in vielen Fällen dazu, dass die Mobber aus Rache noch subtiler und oft auch mas- siver mobben. Aus diesem Grund sind auch die Opfer meist nur daran interessiert, dass das Mobben auf- hört, nicht aber an der Bestrafung der Täter. Außerdem soll den Tätern die Chan- ce gegeben werden, an guten Lösungen mitzuarbeiten. Damit haben sie weiterhin die Gelegenheit, ak- tiv zu sein und ihren Einfluss geltend zu machen, allerdings dieses Mal mit positiven Effekten. Aus der Mobbingforschung weiß man, dass die Täter besonders daran interessiert sind, Aufmerksamkeit zu bekommen. Als Teil einer Un- terstützergruppe, die nur aus 6 – 8 Schüler/innen besteht, erhalten sie besondere Beachtung. Neben den genanntenVorzügen des NBA spricht für die Methode, dass sie zeitlich nicht sehr aufwän- dig und klar strukturiert ist. Erfahrungen mit dem Workshop zum „No Blame Approach“ Auf drei großen Tagungen der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Landesstelle NRW (AJS) zum Thema Mobbing in den Jahren 2005 und 2006 mit insgesamt rund 700 Teilnehmer/ innen wurde die Methode „No BlameApproach“ im Rahmen von zweistündigen Arbeitsgruppen vorgestellt und stieß regelmäßig auf großes Interesse bei Lehr- kräften, Schulsozialpädagogen/in- nen, Schulpsychologen/innen und Fachkräften aus der Jugendhilfe. Einige der Teilnehmer/innen ha- ben daraufhin die Methode e inge- setzt und nach eigenen Berichten bereits Erfolge erzielt. Ein eintägiger Workshop mit Trainingselementen bietet die Chance, die Methode intensiv kennenzulernen und sich mit der Anwendung vertraut zu machen. Darum hat dieAJS gemeinsammit Fairaend - Praxis für Konfliktbera- tung, Mediation, Supervision und Weiterbildung, Köln, in den letzten zwei Jahren sieben Workshops für jeweils 18 Personen durchgeführt. Zwei weitereWorkshops finden am 11.06.2008 und am 06.11.2008 in Köln statt. (Ausschreibung und Anmeldung unter www.ajs.nrw.de – Veranstaltungen.) Fazit Die Teilnehmer/innen der Workshops waren bislang durch- gängig sehr zufrieden und hoch motiviert, das Verfahren in ihrem Schulalltag – als Lehrer/in oder Schulsozialarbeiter/in – umzu- setzen. Angesprochen fühlen sich die pädagogischen Kräfte insbesondere von der klaren Struk- turierung der Vorgehensweise und der unkomplizierten Anwend- barkeit im Rahmen des Systems Schule. Positiv zu bewerten ist zudem, dass der Ansatz innerhalb eines einzigen Fortbildungstages so vermittelt werden kann, dass Pädagogen und Pädagoginnen ihn im Falle von Mobbing erfolgreich anwenden können. Die bisherigen Erfahrungen von Schulen mit dem Interventi- onsansatz scheinen außerordent- lich positiv zu sein. Seitens der Schulsozialarbeit und der Lehr- kräfte wird rückgemeldet, dass der Ansatz in der Praxis angewendet wurde und das Mobbing in vielen Fällen zur Zufriedenheit gestoppt werden konnte. Erste evaluatori- sche Ergebnisse der Projektträger sprechen von einer Erfolgsquote von ca. 80 %, was im Falle von Mobbing als sehr hoch einzuschät- zen ist. Bislang zeigt sich, dass es auf alle Fälle sinnvoll ist zu versu- chen, einen Mobbingfall auf diese Weise zu lösen. Wenn dieser Weg nicht erfolgreich ist, besteht noch immer die Möglichkeit, andere Verfahren wie Schulkonferenzen, Schulverweise, etc. einzusetzen. Carmen Trenz (AJS) Praxis 8 1/2008 raxis Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Landesstelle Nordrhein-Westfalen e.V. Poststraße 15 - 23 • 50676 Köln Telefax 0221/92 13 92-20 www.ajs.nrw.de DieAJSwird gefördert vom Wann oder wie lange in die Disco? Welche Computerspiele ab welchem Alter? Welcher Film ab welchem Alter? Fragen zum Jugendsc tz? l f - tli : 02 21 / 92 13 92-33 mo., di., mi. 9 – 17 Uhr do. 9 – 19 Uhr fr. 9 – 15 Uhr e-mail: auskunft@mail.ajs.nrw.de egen obbing und ullying rf r it l r Verbreitung von Mobbing und Reaktionsmöglichkeiten Die aktuelle Forschung in Deutschland zumThema Mobbing zeigt, dass an den Grund- und wei- terführenden Schulen eine große Zahl von Kindern und Jugendli- chen teilweise massiv gemobbt wird. Mobbing bzw. Bullying hat es schon immer in beträchtlichem Ausmaß gegeben, aber lange Zeit wurde das Problem kaum wahr- genommen und zu wenig dagegen unternommen. Die breite öffentliche Thema- tisierung des Problems Mobbing im Kindes- und Jugendalter hat zu einer höheren und sensibleren Wahrnehmung bei Eltern und Päd- agoginnen und Pädagogen geführt. Insbesondere wurde erkannt, wie sehr gemobbte Kinder und Jugendliche unter den Schikanen leiden und das manchmal über viele Jahre und teilweise auch noch als Erwachsene. Weithin geblieben ist die Rat- losigkeit, was Erwachsene, meist die Lehrerinnen und Lehrer, tun können, damit das Mobben auf- hört bzw. Mobbingprozesse ge- stoppt werden. Zudem hat die Münchener Forschergruppe um Mechthild Schäfer und Stefan Korn herausgefunden, dass viele Interventionen wirkungslos und im schlimmeren Fall sogar schäd- lich sind. Der „No Blame Approach“: Ein wirksamer Interventionsansatz Der „No Blame Approach“ stammt aus England und wurde bisher in der Schweiz und neu- erdings auch in Deutschland mit erstaunlichem Erfolg in der schu- lischen Praxis eingesetzt. Die Methode beruht auf einem lösungsorientierten Ansatz. Es wird nicht gefragt, wie und warum gemobbt wurde, sondern die Auf- merksamkeit und Interventionen sind darauf gerichtet, dass das Mobben aufhört. Die Täter werden – ohne Schuldzuweisung und ohne be- straft zu werden – in die Lösung eingebu den. Schuldzuweisungen und Strafen führen erfahrungsmäßig in vielen Fällen dazu, dass die Mobber aus Rache noch subtiler und oft auch mas- siver mobben. Aus diesem Grund sind auch die Opfer meist nur daran interessiert, dass das Mobben auf- hört, nicht aber an der Bestrafung der Täter. Außerdem soll den Tätern die Chan- ce gegeben werden, an guten Lösungen mitzuarbeiten. Damit haben sie weiterhin die Gelegenheit, ak- tiv zu sein und ihren Einfluss geltend zu machen, allerdings dieses Mal mit positiven Effekten. Aus der Mobbingforschung weiß man, dass die Täter besonders daran interessiert sind, Aufmerksamkeit zu bekommen. Als Teil einer Un- terstützergruppe, die nur aus 6 – 8 Schüler/innen besteht, erhalten sie besondere Beachtung. Neben den genanntenVorzügen des NBA spricht für die Methode, dass sie zeitlich nicht sehr aufwän- dig und klar strukturiert ist. Erfahrungen mit dem Workshop zum „No Blame Approach“ Auf drei großen Tagungen der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Landesstelle NRW (AJS) zum Thema Mobbing in den Jahren 2005 und 2006 mit insgesamt rund 700 Teilnehmer/ innen wurde die Methode „No BlameApproach“ im Rahmen von zweistündigen Arbeitsgruppen vorgestellt und stieß regelmäßig auf großes Interesse bei Lehr- kräften, Schulsozialpädagogen/in- nen, Schulpsychologen/innen und Fachkräften aus der Jugendhilfe. Einige der Teilnehmer/innen ha- ben daraufhin die Methode e inge- setzt und nach eigenen Berichten bereits Erfolge erzielt. Ein eintägiger Workshop mit Trainingselementen bietet die Chance, die Methode intensiv kennenzulernen und sich mit der Anwendung vertraut zu machen. Darum hat dieAJS gemeinsammit Fairaend - Praxis für Konfliktbera- tung, Mediation, Supervision und Weiterbildung, Köln, in den letzten zwei Jahren sieben Workshops für jeweils 18 Personen durchgeführt. Zwei weitereWorkshops finden am 11.06.2008 und am 06.11.2008 in Köln statt. (Ausschreibung und Anmeldung unter www.ajs.nrw.de – Veranstaltungen.) Fazit Die Teilnehmer/innen der Workshops waren bislang durch- gängig sehr zufrieden und hoch motiviert, das Verfahren in ihrem Schulalltag – als Lehrer/in oder Schulsozialarbeiter/in – umzu- setzen. Angesprochen fühlen sich die pädagogischen Kräfte insbesondere von der klaren Struk- turierung der Vorgehensweise und der unkomplizierten Anwend- barkeit im Rahmen des Systems Schule. Positiv zu bewerten ist zudem, dass der Ansatz innerhalb eines einzigen Fortbildungstages so vermittelt werden kann, dass Pädagogen und Pädagoginnen ihn im Falle von Mobbing erfolgreich anwenden können. Die bisherigen Erfahrungen von Schulen mit dem Interventi- onsansatz scheinen außerordent- lich positiv zu sein. Seitens der Schulsozialarbeit und der Lehr- kräfte wird rückgemeldet, dass der Ansatz in der Praxis angewendet wurde und das Mobbing in vielen Fällen zur Zufriedenheit gestoppt werden konnte. Erste evaluatori- sche Ergebnisse der Projektträger sprechen von einer Erfolgsquote von ca. 80 %, was im Falle von Mobbing als sehr hoch einzuschät- zen ist. Bislang zeigt sich, dass es auf alle Fälle sinnvoll ist zu versu- chen, einen Mobbingfall auf diese Weise zu lösen. Wenn dieser Weg nicht erfolgreich ist, besteht noch immer die Möglichkeit, andere Verfahren wie Schulkonferenzen, Schulverweise, etc. einzusetzen. Carmen Trenz (AJS)

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