Reader Gewaltp NRW online
228 Gemeinsam gegen Gewalt Deutsch-Niederländisches Seminar in Bocholt befaßte sich mit Programmen gegen Jugendgewalt Gewalt unter Jugendlichen nimmt sowohl in Deutschland wie in den Niederlanden zu, wenn auch lange nicht so dramatisch, wie oft behauptet. In den Niederlanden ist der Anstieg nachAussagen des niederländischen Kriminologen Albert Hauber noch etwas höher als in Deutschland. Dies ist Ergebnis eines deutsch-nieder- ländischen Seminars mit über einhundert Fachleuten aus beiden Ländern über das Problem Gewalt unter Jugendlichen und über Programme der Gewaltprävention am 30. und 31. Oktober im Europa-Institut in Bocholt (Westfalen). Die Tagung wurde gemeinsam von der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS) Landesstel- le NRW, dem Europa-Institut Bocholt, dem Europahaus Gelderland (NL) und der Stadt Bocholt (Jugendamt) veranstaltet und vom Land NRW (Jugendministerium und Staats- kanzlei) sowie der Stadt Bocholt gefördert. Die Ursachen für Gewalt sind vielfältig und in beiden Ländern ähnlich. Gewalt wächst in den Randlagen der Städte, wo sich die Probleme ballen. Weitere Ursachen: Konsumdruck, fehlende Integration junger Zuwanderer, zerrüttete Familienverhältnisse und eigene Gewalterfahrungen, Mißerfolge in der Schule, Alkohol und Drogen sowie Gewaltdarstellung und die Berichterstattung in den Medien. Hinzu kommt, daß Gewalt lange Zeit heruntergespielt und vielfach nicht rechtzeitig eingegriffen wurde, so der Kriminologe Albert Hauber. Damit Jugendliche ihre Gewaltneigungen abbauen, müssen sie mit den Folgen kon- frontiert werden. Dafür gibt es in Deutsch- land und in den Niederlanden Anti-Aggres- sions-Trainings und ähnliche Programme, die auf der Tagung vorgestellt und diskutiert wurden. Bei der Vorbeugung sind vor allem die Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen gefragt. In Deutschland nehmen sogenannte Konfliktlotsen- und Streit-Schlichter-Pro- gramme zu, in denen Jugendliche selbständig ihre Konflikte lösen oder bei Konflikten ihrer Mitschüler vermitteln. In einem niederlän- dischen Beispiel leisten Polizisten gemein- sam mit Sozialarbeitern Gewaltprävention in Schulen und machen Hausbesuche in Familien. Klaus Schäfer, der Vertreter des Mini- steriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit NRW, betonte die zentrale Rolle der Kindergärten: hohe Aggressivität begin- ne fast immer schon im Vorschulalter. Hier frühzeitig zu reagieren, sei ein wesentlicher Baustein bei der Gewaltprävention. In NRW werde damit begonnen, die Erzieherinnen für diese Aufgabe zu schulen. Der AJS-Vorsitzende Jürgen Jentsch MdL zeigte sich nachAblauf der Veranstaltung zu- versichtlich, daß die Vertreter beider Länder voneinander lernen konnten. In den Nieder- landen beeindrucke, daß dort – womöglich aufgrund anderer Jugendhilfestrukturen – schnell und flexibel auf Jugendprobleme reagiert werde. Auch funktioniere die Zu- sammenarbeit zwischen Jugendhilfe, Schule, Polizei und Justiz sehr gut. Niederländische Kollegen fanden die stärkere soziale Kon- trolle in Deutschland positiv, da durch das rechtzeitige Reagieren auf Normverstöße verhinderte wurde, daß Gewalt sich verfestigt oder eskaliert. Kontakt: Carmen Trenz, AJS Tel. 0221/92 13 92-18 Carmen.Trenz@mail.ajs.nrw.de arum wer- nzen Tag programm t, “GGI” (s. sarbeiten. körperliche GMS vier tunde lang nten) unter twortlichen chen über ngen. Die s mögliche de Motiva- bettgehen pentreffen r Coach”. ß da sein. den näch- as Beson- rschocks. erksamkeit rrenzorien- e Energie, eine gute esonderen kann ihnen gen, aber chule. Es ispiel, wie esuch der ise gehen lußgruppe, ialtraining. zu kochen ehen sich iner neuen mmen mit es soziales Um nach GMS erfolgreich zu sein, ist es notwendig, sich um praktische, soziale und berufliche Fertigkeiten zu bemühen. eigene gute Wahl zu treffen. Der Text lag in englischer Fassung vor. Die Übersetzung erfolgte durch Ute Schneidereit und Carmen Trenz, beide AJS 7 @ 4/2000 Gemeinsam gegen Gewalt Deutsch-Niederländisches Seminar in Bocholt befaßte sich mit Programmen gegen Jugendgewalt Gewalt unter Jugendlichen nimmt sowohl in Deutschland wie in den Niederlanden zu, wenn uch lang nicht so d amatisch, wie oft behauptet. In den Niederlanden ist der Anstieg nachAussagen des niederländischen Kriminologen Albert Hauber noch etwas höh r als in Deutschland. Dies ist Ergebnis eines deutsch-nieder- ländischen Seminars mit über einhundert Fachleuten aus beiden Ländern über das Problem Gewalt unter Jugendlichen und über Programme der Gewaltprävention am 30. und 31. Oktober im Europa-Institut in Bocholt (Westfalen). Die Tagung wurde gemeinsam von der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS) Landesstel- le NRW, dem Europa-Institut Bocholt, dem Europahaus Gelderland (NL) und der Stadt Bocholt (Jugendamt) veranstaltet und vom Land NRW (Jugendministerium und Staats- kanzlei) sowie der Stadt Bocholt gefördert. Die Ursachen für Gewalt sind vielfältig und in beid n Ländern ähnlich. Gewalt wächst in den Randlagen der Städte, wo sich die Probleme ballen. Weitere Ursachen: Konsumdruck, fehlende Integration junger Zuwanderer, zerrüttete Familienverhältnisse und eigene Gewalterfahrungen, Mißerfolge in der Schule, Alkohol und Drogen sowie Gewaltdarstellung und die Berichterstattung in den Medien. Hinzu kommt, daß Gewalt lange Zeit heruntergespielt und vielfach icht rechtzeitig eingegriffen wurde, so der Kriminologe Albert Hauber. Damit Jugendliche ihre Gewaltneigungen abbauen, müssen sie mit den Folgen kon- frontiert werden. Dafür gibt es in Deutsch- land und in den Niederlanden Anti-Aggres- sions-Trainings und ähnliche Programme, die auf der Tagung vorgestellt und diskutiert wurden. Bei der Vorbeugung sind vor allem die Schulen und Jugendhilfe inrichtungen gefragt. In Deutschland nehmen sogenannte Konfliktlotsen- und Streit-Schlichter-Pro- gramme zu, in denen Jugendliche selbständig ihr Konflikte lösen oder bei Konflikten ihrer Mitschüler vermitteln. In einem niederlän- dischen Beispiel leisten Polizisten gemein- sam mit Sozialarbeitern Gewaltprävention in Schulen und machen Hausbesuche in Familien. Klaus Schäfer, der Vertreter des Mini- steriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit NRW, betonte die zentrale Rolle der Kindergärten: hohe Aggressivität begin- ne fast immer schon im Vorschulalter. Hier frühzeiti zu reagier n, sei ein w sentlicher Baustein bei der Gewaltprävention. In NRW werde damit begonnen, die Erzieherinnen für diese Aufgabe zu schulen. Der AJS-Vorsitzende Jürgen Jentsch MdL eigte sich nachAblauf der Veranstaltung zu- versichtlich, daß die Vertreter beider Länder voneinander lernen konnten. In den Nieder- landen beeindrucke, daß dort – womöglich aufg und nderer Jugendhilfestrukturen – schnell und flexibel auf Jugendprobleme reagiert werde. Auch funktioniere die Zu- sammenarbeit zwischen Jugendhilfe, Schule, Polizei und Justiz sehr gut. Niederländische Kollegen fanden die stärkere soziale Kon- trolle in Deutschland positiv, da durch das rechtzeitige Reagieren auf Normverstöße verhinderte wurde, daß Gewalt sich verfestigt oder eskaliert. Kontakt: Carmen Trenz, AJS Tel. 0221/92 13 92-18 Carmen.Trenz@mail.ajs.nrw.de ● Motivation Die Motivation der Studenten der GMS wird durch das Fördersystem positiv beeinflußt: (Ich weiß, wie ich etwas er- reiche), Privilegien (sie geben mir etwas und ich kann etwas verlieren), Erziehung (Ich bin erfolgreich), Sport (Ich kann ge- winnen), Respekt (Ich bin jemand), Stolz (Ich bin ein Teil der Erfolgreich n), für eine Sache sprechen (sie hören mich), Konfrontationen (sie lassen mich nicht fallen), Bestätigungen und Erfolg. ● Tägliches Programm Das GMS-Programm geht davon aus, daß Langeweile die Jugendlichen in Schwierigkeiten bringt; darum w r- den die Studenten den ganzen Tag lang beschäftigt. Das Tagesprogramm b steht aus Unterricht, Sport, “GGI” (s. u.), Aktivitäten und Reinigungsarbeit n. Das Programm verlangt viel körperliche Arbeit, deshalb serviert die GMS vier Mahlzeiten pro Tag. Jeden Tag gibt es eine Stunde lang “GGI”-Gruppen (12-15 Studenten) unter Führung der Gruppe verantwortli en und des Teams mit G sprächen über Probleme, Gefühle, Verwirrungen. Die Studenten sprechen über jedes mögliche Problem: Heimweh, man el e Motiva- tion, Einschüchterung etc. Jeden Abe d vor dem Zub ttgehen haben die Studenten ein Gruppentreffen unter Führung eines “Senior Coach”. Jeder Stude t der Einheit muß da s in. Thema ist das Programm für den näch- ste Tag. Neue Studenten sind etwas Beson- deres aufgrund ihres Kulturschocks. Deshalb ist besondere Aufmerksamkeit nötig. Die Studenten sind konkurrenzorien- tiert und haben viel körperliche Energie, so daß sie zweimal pro Tag eine gute Gelegenheit haben, ihre besonderen Fähigkeiten zu z igen. Das ka n ihn n p rsönlich eine M nge bring n, abe auch dem Team oder der Schule. Es gibt außerdem ein gutes Beispiel, wie sie ihre Freizeit nach dem Besuch der GMS nutzen können. ● Abreise Vier Mon te vor ihrer Abreise gehen die Studenten in die Abschlußgruppe, und sie erhalten ein Spezialtraining. Sie lernen, für sich selbst zu kochen (Einpersonen-Mahl) und sehen sich auch nach einem Haus und einer neuen Schule oder Arbeit um. Zusammen mit dem Team bauen sie ein neues soziales Leben auf. Das Team steht auch nach dem Besuch der GMS für besondere Angelegenheiten zur Verfügung. ● Zusammenfassung GMS hat als Ziel die Verhaltensän- derung, vom anti-sozialen zu einem Leben it normalen sozialen Normen. Die Jugendlichen lernen Verantwortung für sich selbst, eine Gruppe und ihre Umgebung zu übernehmen. Jedermann weiß, daß viele junge Männer ichts mit ihrer Freizeit anzu- fangen wiss n. Deshalb legt GMS be- sondere Aufmerksamkeit auf sportliche Aktivitäten. Um nach GMS erfolgreich zu sein, ist es notwendig, sich um praktische, soziale und berufliche Fertigkeiten u bemühen. Ziel ist es, daß die Studenten nach 18 Monaten gehen und wissen, wie sie Verantwortung für sich akzeptieren und übernehmen. Ob sie gewinnen oder verlieren. Die Schulerfahrung; Sport oder be- rufliche Ziel . Der Stolz, ein geachteter Mann zu sein. Die Notwendigkeit, Hilfe zu geben oder zu erfragen. Sich seiner speziellen Fähigkeiten bewußt zu sein. Eine Job zu b komm . Zu wissen, daß sie sich gut um sich s lbst kümmern können, und auch wenn sie in Berührung mit schlechten Einflüs- sen kommen sollten, sind sie fähig, ihre eigene gute Wahl zu treffen. Der Text lag in englisch r Fassung vor. Die Übersetzung erfolgte durch Ute Schneidereit und Carmen Trenz, beide AJS 7 @
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