Reader Gewaltp NRW online

37 Tabelle 1: Übersicht Straftaten insgesamt s 1. Gewaltphänomene | Jugendkriminalität Aus: Polizeiliche Kriminalstatistik (https://polizei.nrw/sites/default/files/2017-04/170330_PKS_Jahrbuch_2016.pdf ) für NRW 2016, Seite 21, Tabelle 5 Von den jungen Tatverdächtigen unter 21 Jahren wa- ren 27.135 (25,3 Prozent) weiblich und 80.103 (74,7 Prozent) männlich. Die Anzahl der tatverdächtigen Kinder unter 14 Jah- ren ist um 1.027 auf 14.916 im Vergleich zum Vorjahr (2015: 13.889) gestiegen. Ebenso stieg die Zahl der tat- verdächtigen Kinder von 8 bis unter 14 Jahren um 342 (2,6 Prozent) auf 13.293 (2015: 12.951, siehe Tabelle 1). Im Zehnjahresvergleich (siehe Tabelle 2) stehen die Tatverdächtigenbelastungszahlen (TVBZ) der unter 14-Jährigen auf dem zweitniedrigsten Stand. Nach einem rückläufigen Trend haben sich die TVBZ bei den Jugendlichen seit 2010 erstmalig im Jahr 2015 erhöht. Dieser Trend setzt sich 2016 fort. Die Anzahl unter den Heranwachsenden (18 bis unter 21 Jahre) unterliegt leichten Schwankungen, im Jahr 2016 ist die Zahl der TVBZ auf 7.772 gesunken. Handlungsansätze Der Umgang mit Jugenddelinquenz stellt pädago- gische Fachkräfte und Erziehende vor große Her- ausforderungen. Es gibt keine einfachen Lösungen. Hinreichend bekannt ist, dass früh eintretendes delin- quentes Verhalten die Wahrscheinlichkeit einer spä- Aus: Polizeiliche Kriminalstatistik (https://polizei.nrw/sites/default/files/2017-/170330_PKS_Jahrbuch_2016.pdf ) für NRW 2016, S. 20, Tabelle 4. Erläuterung: Tatverdächtigenbelastungszahlen (TVBZ) = Zahl der ermittelten Tatverdächtigen ab 8 Jahren, errechnet auf 100.000 Einwohner des entsprechenden Bevölkerungsanteils Tabelle 2: Jugendkriminalität im Zehnjahresvergleich teren „kriminellen Karriere“ begünstigt. Da Jugend- kriminalität episodenhaft und vorübergehend auftritt und eine Form der Auseinandersetzung der jungen Menschen mit der Erwachsenenwelt darstellt, greift der Ansatz zu kurz, Delinquenz im Jugendalter nur mit Verboten und Sanktionen entgegenzuwirken. Zumal die abschreckende Wirkung von Sanktionen nach wis- senschaftlichen Erkenntnissen sehr eingeschränkte Erfolge aufweist. Kriminelle Handlungen lassen sich eher verhindern, wenn die Ursachen dafür frühzeitig erkannt werden und es geeignete Unterstützungsan- gebote gibt. Besonders schwer ist es, die Gefahrenlage adäquat einzuschätzen. Ist das delinquente Verhalten alters- typisch und vorübergehend oder ist es bereits ein In- dikator für eine Gefährdung? Nicht zu unterschätzen ist das Risiko für schwerwiegende Gesundheitsschädi- gungen, das junge Menschen im Zuge von Straftaten eingehen. So können beispielsweise bei Verkehrs- delikten, Körperverletzungen, Überfällen oder beim Konsumieren von Drogen unkalkulierbare und gefähr- liche Situationen entstehen. Erfolgt eine Meldung delinquenter Verhaltensweisen seitens der Ordnungsbehörden, gilt es sorgfältig zu prüfen, ob es Hinweise für eine Gefährdung gibt. Über- reaktionen können kontraproduktive Auswirkungen haben und zu Stigmatisierungseffekten führen. Des-

RkJQdWJsaXNoZXIy MTQ0NDgz