Reader Gewaltp NRW online

49 49 Familie, in pädagogischen Einrichtungen und in jedweder Umgebung, in der Kinder leben und agieren. Und Thematisierung heißt nicht „mal“, ist nicht Projekt oder Event, nicht zeitlichoder örtlich begrenzt. Prävention ist ein Prinzip, das jeden Tag konkret mit Kindern gelebt wird. Prävention gehört einfach dazu – wie Zähneputzen. Prävention ist Alltag Prävention geschieht zuallererst in der alltäglichen Begegnung mit Menschen – großen und kleinen. Sie geschieht auf dem Schulhof, in der Gänseblümchen-Gruppe, beim Kinderturnen und Babysitten, beim Kakao mit Opa, beim Ins-Bett-Bringen und Kuscheln und manchmal sogar beim Kinderarzt. Sie ist eine Haltung. Und sie ist, wie eben Alltag ist: Mal anstrengend, mal leicht, mal erfolgreich und mal nicht. Aber sie macht immer Sinn – und sie ist berei- chernd, für die Kinder und die Erwachse- nen. Man braucht allerdings einen langen Atem und eine feste Überzeugung. Denn den direkten Erfolgsbeweis, die zeitnahe Überprüfung unserer Initiativen gibt es nicht. Man weiß zwar um die Wirkung von Prä- vention: Mädchen und Jungen, die Prä- vention erleben durften, kommen weniger häufig in Missbrauchssituationen und sie können mögliche Übergriffe besser offen- legen. 1 Trotzdem: Zweifel gibt es immer: War es nun meine Prävention, die sexuel- len Missbrauch verhindert hat, oder ein- fach Glück, oder weil der Racker so eine wunderbare kleine Nervensäge ist? Nun ja, da sind wir nicht wählerisch, Präven- tion kann alles brauchen. Kompetenz der Erwachsenen Ein großes Präventionspuzzleteil ist die Kompetenz der Erwachsenen, denn sie sind verantwortlich für den Schutz und die Sicherheit der Kinder. Dazu gehört, dass sich alle Personen und Institutionen, die mit Kindern leben und arbeiten, Prä- ventionskompetenz aneignen. Sie brauchen Wissen und emo- tionale Auseinandersetzung mit dem Thema. Und vor allem pro- fessionelle Unterstützung. Auch hier gilt wieder: Mädchen und Jungen können sich nur an- vertrauen, wenn die Vertrauenspersonen wirklich wissen wollen und mit diesem Wissen richtig umgehen können. Tiefe in- nere Unsicherheiten und Ängste verhin- dern dies häufig. Sexueller Missbrauch greift an unsere Überzeugungen, bringt unsere geordnete Weltsicht durcheinan- der. Die unausgesprochene Botschaft an die Kinder ist dann eben: „Erzähl mir nichts. Ich will das nicht hören. Das ist zu schrecklich!“ Aber mit Hilfe einer professionellen Fach- kraft, einer Beratungsstelle bei- 1 Siehe Kindler, Heinz (Hrsg., 2003): Evaluation der Wirksamkeit prä- ventiver Arbeit gegen sexuellen Missbrauch an Jungen und Mäd- chen. AMYNA e. V., München. Erwachsene sind verantwortlich für den Schutz von Kindern 60 Jahre AJS Finale.indd 49 12.10.13 17:27 1 Grundlagen Strukturen Handlungsformen •60JahreKinder-undJugendschutzinNordrhein-Westfalen Jugendschutz Jugendschutz Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz LandesstelleNordrhein-Westfalen e.V. Grundlagen•Strukturen•Handlungsformen 1. Gewaltphänomene | Sexualisierte Gewalt

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