Reader Gewaltp NRW online

51 51 che Sozialisation ist einem Täter und sei- nen Absichten zuträglich. Zu wenig Infor- mation über Sexualität, eine manipulative Erziehung, die Erfahrung von Liebe ge- gen Wohlverhalten, ein sanftes Gefügig- machen über Scham und Schuldgefühle – dies alles sind kindliche Erfahrungen, die der Täterin bzw. dem Täter nutzen. Als Antwort darauf haben wir die präven- tive Erziehungshaltung, eine Haltung, die sich gegen die Unterordnung oder Einpas- sung von Mädchen und Jungen richtet, die eintritt für Selbstbestimmtheit und Eigen- heit. Diese Haltung beinhaltet Respekt, Achtung vor der je eigenen Persönlichkeit Prävention gegen sexuellen Missbrauch Selbst- bewusstsein stärken Merkblatt Es gilt immer noch als erste Regel: Ruhe bewahren. Durch eine voreilige Offenlegung könnte der Täter von der Vermutung erfahren und das Kind so stark bedrohen, dass es nichts mehr sagt. Oder es wird aus der Ein- richtung abgemeldet. Möglicherweise zieht die Familie um und weitere Hilfe ist nicht mehr möglich. Das Ziel einer Intervention ist langfristiger Schutz unter heilenden Bedin- gungen, ohne dass es zu Sekundärtraumati- sierungen kommt. Sprechen Sie nicht mit den Eltern des Kindes, wenn Sie nicht völlig sicher sind, dass der Täter außerhalb der Familie zu suchen ist. Falls nämlich der se- xuelle Missbrauch in der Familie geschieht, wird der Täter ge- warnt. Auch ein Ge- spräch mit der Mutter oder Andeutungen des Problems unter einem Vorwand führen meist zum gleichen Resultat. Niemals eine Familie mit einem Missbrauch konfrontieren, ehe eine räumliche Tren- nung von Opfer und Täter vorbereitet und möglich ist!! Intensivieren Sie den Kontakt mit dem Kind und ermutigen Sie es, über Gefühle oder Probleme zu sprechen. Arbeitsma- terialien, die für die Prävention gedacht sind, eignen sich auch, um Kinder zum Spre- chen zu ermutigen, ohne sie zu drängen. Keine übereilte Strafanzeige! Niemand ist zur An- zeige verpflichtet. Eine Anzeige kann auch später erfolgen und muss unbedingt gut vorbereitet sein. Auskunft: Gisela Braun Referentin für Prävention gegen sexuellen Missbrauch bei der Landesstelle Kinder- und Jugendschutz (AJS) in Nordrhein-Westfalen e.V. Poststraße 15-23 • 50676 Köln Telefon: 0221/92 13 92-17 E-Mail: gisela.braun@mail.ajs.nrw.de Internet: www.ajs.nrw.de Nehmen Sie Kontakt mit einer Beratungs- stelle auf. In vielen Städten gibt es Fach- beratungsstellen gegen sexuellen Missbrauch. Unter www.hinsehen- handeln-helfen.de fin- den Sie Hilfestellen. Beraten kann Sie ebenso das Jugend- amt , ggfs. ohne Na- mensnennung des be- troffenen Kindes. Zusammen mit den Fachkräften lassen sich Strategien ent- wickeln, um die Ver- mutung zu klären und dem betroffenen Mäd- chen oder Jungen zu helfen. Es gilt: Keine Person und kei- ne Institution kann ein Kind alleine retten! 1. 2. 3. 4. 5. 6. Illustration:DorotheeWolters Wir vermuten sexuellen Missbrauch – Was nun? Stand 04/2010 des Kindes, die Anerkennung von Stärken und divergierenden Meinungen. Undnochmehr: KindlichesSelbstbewusst- sein stärken, einen sorgsamen Umgang mit dem Machtungleichgewicht zwischen Groß und Klein, die Achtung von Grenzen und körperlicher Selbstbestimmung, eine posi- tive Sexualerziehung, die Ausei- nandersetzung mit Geschlech- terrollen. Es heißt, Kinder ernst nehmen und ihnen Grenzen setzen. Aber vor allem auch Grenzen wahrnehmen. Schaut man sich so um, meint man, be- liebte Hobbys von Erwachsenen sind Kin- 60 Jahre AJS Finale.indd 51 12.10.13 17:27 1 Grundlagen Strukturen Handlungsformen •60JahreKinder-undJugendschutzinNordrhein-Westfalen Jugendschutz Jugendschutz Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz LandesstelleNordrhein-Westfalen e.V. Grundlagen•Strukturen•Handlungsformen 1. Gewaltphänomene | Sexualisierte Gewalt

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