Reader Gewaltp NRW online

52 52 der tätscheln, kneifen, küssen, streicheln, hochheben… Das mögen zwar Wohlwol- lensattacken sein, aber damit sind es im- mer noch Attacken. Wesentlich zur Prävention gehört Kom- munikation. Da müssen sich viele Erwach- sene noch ein wenig üben, denn sie sprechen häufig nicht mit Kindern. Sie beleh- ren, ermahnen, kritisieren, bilden, erklären, lobhudeln, maßregeln, werten, überre- den, horchen aus und halten Vorträge… aber sprechen? Und zuhören? Prävention beginnt bei den Erwachsenen An der Vielzahl der Präventionsbausteine wird offensichtlich, warum bei vielen El- tern und pädagogischen Fachkräften Selbstbehauptungskurse so beliebt sind. Man will das Kind schützen – und ist auf der Suche nach einem einfachen und si- cheren Weg, der weniger intensive Ausei- nandersetzungmit eigenen Haltungen be- inhaltet. Wirkliche Prävention ist nicht die Arbeit „am Kind“. Sie bedeu- tet für uns verantwortliche Aus- einandersetzung, Lernen, Ver- änderung – und nicht nur so ein bisschen äußerlich. Es geht um Grundhaltungen, Einstellungen und vor allem um den all- täglichen Umgang von Erwachsenen mit Kindern und auch von Erwachsenen un- tereinander. Schließlich lernen Mädchen und Jungen am ehesten am Vorbild. Oder wie Karl Valentin sagte: „Die ganze Erzie- hung nützt nix. Hinterher machen die Kin- der uns doch alles nach.“ Wie wahr. Aber die meisten Erwachsenen wollen ja Kinder schützen. Sie brauchen bloß Un- terstützung, Information und Anleitung von Profis. Und sie benötigen Menschen, mit denen sie sprechen und sich austauschen können. Das heißt, für eine sinnvolle und effektive Prävention braucht es präventionsför- dernde Strukturen. Elternbildung als Prävention Elternbildung scheint häufig ein recht mühsames Unter- fangen – vielleicht nennen wir sie deshalb meist auch EItern-Arbeit. Undtrotzdem:WennwirPräventionsarbeit nicht nur als punktuellen Einsatz betrach- ten, sondern als erzieherische und ge- samtgesellschaftliche Grundhaltung, sind Mütter und Väter die ersten Adressaten für eine Veränderung. Das gilt erst recht unter der Annahme, dass die Familie ein poten- ziell gewaltträchtiges Umfeld für Mädchen und Jungen darstellen kann. Vor diesem Hintergrund muss die spezi- fische Situation der Eltern bedacht wer- den. Elternbildung spricht sie an in ihrem Alltag, ihren Problemen, Kompetenzen und Defiziten, d. h. sie mischt sich gewal- tig in die Privatsphäre wildfremder Men- schen ein. Da fehlt oft nur noch ein vor- wurfsvoller oder belehrender Unterton, um den Abend zu einem unerfreulichen Ereignis zu machen. Dabei wollen Eltern Informationen – aber sie wollen auch Ver- ständnis für die Schwierigkeiten und pä- dagogischen Unvollkommenheiten eines Alltags mit Kindern. Grenzen respektieren Erwachsene als Vorbild 60 Jahre AJS Finale.indd 52 12.10.13 17:27 1 Grundlagen Strukturen Handlungsformen •60JahreKinder-undJugendschutzinNordrhein-Westfalen Jugendschutz Jugendschutz einschaft d Jugendschutz lleNordrhein-Westfalen e.V. Grundlagen•Strukturen•Handlungsformen

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