Reader Gewaltp NRW online

53 53 Situation der Eltern Die Mütter und Väter, die zu einem Eltern- abend kommen, sind, was das Thema „Sexueller Missbrauch“ angeht, verun- sichert. Sie sind zum einem durch die Medien einem Überangebot von Infor- mationen ausgesetzt, das durch Skan- dalisierung Formen von Desinforma- tion annimmt. Gleichzeitig herrscht oft ein Mangel an seriösen Informationen. Durch die mediale Berichterstattung wird dieses ohnehin emotionsbesetzte Thema noch beladener. Wut, Rache, Trau er, Fas- zination, Angst, Panik, Neugier, Bedro- hung, sexuelle Erregung, Verleugnung, Zorn, Entsetzen, Abwehr und viele an- dere Gefühle sind mit im Raum. Vor allem haben die Eltern ganz schlicht Angst um ihr Kind, wissen aber oft nicht, was sie tun können, denn Erziehungsvor- bilder für eine präventive Erziehung gibt es kaum. Elternbildung sollte also spar- sam sein mit Forderungen an die Eltern und Überforderung gänzlich vermei- den. Sie sollte dagegen Entlastungsfunk- tion haben, Unterstützung anbieten und Mut machen. Kooperation, Dialog und Austausch sind zentrale Stichworte. Grundsätze der Elternbildung Bei der Elternbildung zur Problematik des sexuellen Missbrauchs sind einige Prämis- sen (eigentlich) selbstverständlich. „El- tern“ sind Frauen und Männer, erscheinen als solche oder auch nicht und agieren als solche. Das einzige, was an einem durch- schnittlichen Elternabendpublikum ho- mogen ist, ist seine Heterogenität. Alle sind verschieden – in Geschlecht, Vor- wissen, Bildungsgrad, Intellekt, Interesse, persönlicher Betroffenheit usw. Es muss ein Level gefunden werden, der möglichst viele anspricht. Aber es sind nicht nur die Väter und Müt- ter, an die sich Elternbildung richten sollte, sondern auch die Elternfiguren, Mit-Erzie- hende innerhalb und außerhalb der Fami- lie. Vor allem die Großeltern haben häufig großen Anteil an der Erziehung der Kinder und solltenmit eingeladen werden. Zu be- denken ist weiterhin, dass all diese Frauen und Männer, die beim Elternabend in den Stuhlreihen sitzen, auch selbst von sexuel- ler Gewalt betroffen gewesen sein können, vielleicht immer noch sind, in eigener Per- son oder als Mütter und Väter von betrof- fenen Kindern. Zudem befinden sich viel- leicht Ausübende sexualisierter Gewalt unter den Anwesenden. All dies ist mög- lich und in diesem Bewusstsein gestaltet sich Elternbildung. Prävention gegen sexuellen Missbrauch Inhalte und Ziele der Elternbildung Erstes und vorrangiges Ziel ist, dass die El- tern überhaupt kommen. Fast alle, die El- ternbildung betreiben, klagen, dass zuwe- nig Eltern kommen und dann die falschen – also die, „die es nicht nötig haben“. Nun, so notwendig die Beschäftigung mit Er- ziehungsfragen ist, so ist sie für einige 60 Jahre AJS Finale.indd 53 12.10.13 17:27 1 Grundlagen Strukturen Handlungsformen •60JahreKinder-undJugendschutzinNordrhein-Westfalen Jugendschutz Jugendschutz Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz LandesstelleNordrhein-Westfalen e.V. Grundlagen•Strukturen•Handlungsformen 1. Gewaltphänomene | Sexualisierte Gewalt

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