Reader Gewaltp NRW online
59 59 Erweitertes Führungszeugnis Eine weitere Möglichkeit, Täter und Tä- terinnen aus einem Verein oder Verband fernzuhalten, ist das 2010 eingeführte, unter Fachleuten intensiv diskutierte er- weiterte Führungszeugnis, mit dem da- rauf reagiert werden soll, dass Pädo- sexuelle haupt- oder ehrenamtliche Tätigkeitsfelder suchen, in denen ihnen ein schneller Kontakt mit Kindern und Jugendlichen möglich ist. Das erweiterte Führungszeugnis beinhaltet u. a. alle Ver- urteilungen wegen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und Verur- teilungen wegen der Verbreitung, des Er- werbs oder des Besitzes kinderpornogra- fischer Schriften. Nicht erfasst werden eingestellte Verfahren oder Verfahren, die mit einem Freispruch beendet wurden. Bislang gibt es keine gesetzliche Verpflich- tung zur Vorlage eines erweiterten Füh- rungszeugnisses für ehrenamtliche Fach- kräfte. Der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband NRW e. V. und andere ein- schlägige Fachstellen raten dennoch zur Inanspruchnahme. Wenngleich die Wahr- scheinlichkeit gering ist, dass Pädosexu- elle dadurch auffallen, sollte die Chance nicht vertan werden. 12 Die Befürchtung, die Einführung des erweiterten Führungs- zeugnisses könnte sich negativ auf die Ge- winnung von Ehrenamtlichen auswirken, hat sich in einer Studie des Runden Ti- sches Sexueller Kindesmissbrauch zufolge nicht bestätigt. Ebenso sei der Arbeitsauf- wand geringer als von einigen Seiten be- fürchtet. 13 Beschwerdemanagement Kinder und Jugendliche müssen wissen, an wen sie sich bei Kummer wenden kön- nen. Ihnen fällt es oft schwer, Kritik an Be- zugspersonen zu üben, zu de- nen sie in der Regel in einem Abhängigkeitsverhältnis ste- hen. Die Installation eines Be- schwerdemanagements kann die Hemmschwelle verringern und den ersten Schritt erleich- tern. Vor diesem Hintergrund sollte der offizielle Beschwer- deweg für pädagogisches Fehl- 11 Siehe z.B. Deutscher Kinderschutz- bund Landesverband NRW e.V. (Hrsg., 2012): Sexualisierte Gewalt durch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an Mädchen und Jungen in Organisati- onen – eine Arbeitshilfe. Wuppertal. 12 Nähere Informationen bietet fol- gende Arbeitshilfe: Paritätisches Ju- gendwerk NRW/ Deutscher Kinder- schutzbund LV NRW e.V. (Hrsg., 2010): (Erweitertes) Führungszeugnis in der offenen Kinder- und Jugendarbeit und in der Arbeit des Kinderschutz- bundes. Eine Arbeitshilfe. Wuppertal. 13 Vgl. Deutscher Kinderschutzbund, S. KA-635. Sexueller Missbrauch in Institutionen 60 Jahre AJS Finale.indd 59 12.10.13 17:27 1 Grundlagen Strukturen Handlungsformen •60JahreKinder-undJugendschutzinNordrhein-Westfalen Jugendschutz Jugendschutz Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz LandesstelleNordrhein-Westfalen e.V. Grundlagen•Strukturen•Handlungsformen 1. Gewaltphänomene | Sexualisierte Gewalt
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