Reader Gewaltp NRW online
62 62 Krisenmanagement Wie kann bei einer Vermutung bzw. einem begründeten Verdacht reagiert werden? Für alle Einrichtungen, die mit Kindern, Ju- gendlichen und jungen Erwachsenen ar- beiten, ist es sinnvoll, im Vorfeld eine Fach- beratungsstelle zu kontaktieren, die bei Vermutungen Unterstützung bietet, denn als Grundregel gilt immer: Keiner kann ein Kind alleine retten! Fachleute können Si- cherheit geben, indem sie helfen, Situati- onen richtig einzuschätzen und professio- nell zu handeln. Gleichzeitig werden auch die eigenen Grenzen erkannt und akzep- tiert. Zudem ist es notwendig, im Vor- feld alle Verantwortlichkeiten zu definie- ren, die dann die entsprechenden Schritte zum Umgang mit einer Vermutung vorge- ben. Häufig beginnt eine Vermutung zunächst mit einem komischen Gefühl, das nicht genau eingeordnet werden kann und dem möglicherweise misstraut wird, weil es sich bei der betroffenen Person um eine Kollegin oder einen Kollegen handelt. Bei Fachkräften werden dadurch höchst am- bivalente Gefühle ausgelöst: Im Vorder- grund steht meist die Angst, als Denunzi- antin oder Denunziant betitelt zu werden, wenn sich ein Verdacht als falsch erweist, und gleichzeitig aber auch der Druck, das betroffene Kind ausreichend zu schützen. Diesmacht es besonders schwierig, einem vagen Gefühl nachzugehen. Folgende Fragen können helfen, Situati- onen, die ein merkwürdiges Gefühl ver- ursachen, besser einzuordnen: Woher kommt die Vermutung? Was habe ich ge- nau wann und wo beobachtet? Wie war die Situation und welche Gefühle wurden bei mir ausgelöst? Wie schätze ich die Si- tuation ein, und wie werden meine näch- sten Schritte sein? Dabei geht es nicht um Mutmaßungen, sondern um eine sach- liche Beschreibung. Es ist äußerst wichtig, Ruhe zu bewahren und überlegt zu han- deln. Ein vorschneller Aktionismus birgt das Risiko, dass sich die Situation für das Kind, die Jugendliche oder den Jugend- lichen verschlechtert. Dies tritt etwa dann ein, wenn der potenzielle Täter oder die potenzielle Täterin über die Vermutung in- formiert wird und somit die Möglichkeit hat, Druck auf die Betroffene oder den Be- troffenen auszuüben, Beweismaterial zu © Nadine Schicha, AJS 60 Jahre AJS Finale.indd 62 12.10.13 17:27 1 Grundlagen Strukturen Handlungsformen •60JahreKinder-undJugendschutzinNordrhein-Westfalen Jugendschutz Jugendschutz einschaft d Jugendschutz lleNordrhein-Westfalen e.V. Grundlagen•Strukturen•Handlungsformen
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