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76 74 ein Konzept der filmerzieherischen Arbeit entwickelten, umKindern ausgewählte In- halte, also das „Gute und Echte“, nahezu- bringen. Medien sollten also zum Schutze der Heranwachsenden kontrolliert wer- den. Solch eine bewahrpädagogische Po- sition der Medienpädagogik war insofern gesellschaftsstabilisierend, als dass gel- tende Normen und Moralvorstellungen in der Medienpädagogik ihre Entsprechung fanden. Dabei lebten Keilhacker und an- dere Pädagogen „in der Vorstellung, es gäbe einen pädagogischen Schonraum, in dem Medien nichts zu suchen hätten. De- ren Ausbreitung sorgte dafür, dass die Me- dien den vorgestellten Schonraum schnell überschwemmten“. 5 In Adaption der kritischen Theorie aus der Frankfurter Schule entwickelte sich in den 1960er und 1970er Jahren die ideologie- kritische Medienpädagogik. Sie unterstellt denMassenmediengrundsätzlichManipu- lation. Daher sollten die Ideologiegehalte der medialen Produkte kritisch entschlüs- selt werden. 6 Damit wandte sich dieser An- satz von einer normensetzend bewahren- den Medienpädagogik ab, da sie „in dieser Bewahrung allenfalls ‚Unterdrückung’ und etablierte Machtverhältnisse sah“. 7 Trotz- dem waren die ideologiekritischen Posi- tionen mit Ideen der Bewahrpädagogik insofern verbunden, als dass beide ihr Hauptaugenmerk auf die Gefähr- dung des Menschen durch me- diale Inhalte richteten. 8 Von Menschen und Medien 74 Die Erfindung der Medienkompetenz Der Erziehungswissenschaftler und Me- dienpädagoge Dieter Baacke führte dann in den 1970er Jahren den Begriff „Medi- enkompetenz“ ein. Damit vollzog Baacke einen Paradigmenwechsel, denn er ver- knüpft den Begriff „Medienkompetenz“ mit dem grundlegenden Menschenbild eines selbstbestimmten und gesellschaft- lich handelnden Subjekts. Das war zur da- maligen Zeit etwas Besonderes, denn wie beschrieben war die Medienpädagogik in ihren Anfängen vor allem eine Bewahrpä- dagogik. In seinem Konzept einer hand- lungsorientierten Medienpädagogik stellt Baacke den Menschen in den Mittelpunkt. Er sieht menschliches Verhalten nicht als reine Reaktion auf seine Umwelt und ge- sellschaftliche Zustände. Der Mensch ist vielmehr jemand, der selbst handeln und seine Umwelt gestalten kann. Es geht also weniger um die Frage, was die Medien mit den Menschen machen, sondern vielmehr darum, wie dieMenschendieMedien kom- petent nutzen können. Dabei sieht Baacke Medienkompetenz als einen Bestandteil einer grundsätzlichen kommunikativen Kompetenz. Das Konzept der Kompetenz hat seinen Ursprung in der Sprachwissenschaft. Mit Kompetenz ist hier die Fähigkeit gemeint, eine Sprache zu sprechen und zu ver- stehen. Dabei lernen Kinder Spra- che nicht durch Imitation. Denn dann müssten sie jeden Satz, den sie sprechen, 60 Jahre AJS Finale.indd 74 12.10.13 17:27 1 Grundlagen Strukturen Handlungsformen •60JahreKinder-undJugendschutzinNordrhein-Westfalen Jugendschutz Jugendschutz einschaft d Jugendschutz lleNordrhein-Westfalen e.V. Grundlagen•Strukturen•Handlungsformen

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