Reader Gewaltp NRW online

77 75 bauend auf Baacke gibt es weitere Ver- suche, den Begriff der Medienkompetenz greifbar zu machen und zu differenzie- ren. Die Kommunikationswissenschaftle- rin Helga Theunert nimmt z.B. eine Drei- teilung vor in Sachkompetenz (das Wissen über die Medien), Rezeptionskompetenz (die Fähigkeit, Medien kritisch zu nutzen) und Partizipationskompetenz (die Fähig- keit, Medien selbstbestimmt zu produzie- ren). Medienkompetenz und Jugendschutz Das Schlagwort „Medienkompetenz“ taucht auch in heutigen Diskussionen im- mer wieder auf und wurde sogar im Lan- desmediengesetz NRW verankert. Dabei ist die technische Entwicklung vor allem in den vergangenen drei Jahrzehnten ra- sant vorangeschritten. Mit der Einführung des dualen Rundfunksystems in den 1980er Jahren hat sich ins- besondere die Fernsehland- schaft in Deutschland massiv verändert. Private Program- manbieter haben neue wer- befinanzierte Formate entwi- ckelt, bei denen die Diskussion 5 Baacke, S. 328. 6 Schorb, Bernd (1995): Medien- alltag und Medienhandeln. Medi- enpädagogik im Spiegel von Ge- schichte, Forschung und Praxis. Leske + Budrich, Opladen, S. 46. 7 Baacke, Dieter (1997): Medien- pädagogik (Grundlagen der Me- dienkommunikation – Band 1). Niemeyer, Tübingen, S. 47. 8 Ebd. vorher genau so gehört haben. Im Laufe der Entwicklung entwickeln Sprecher eine Regelstruktur. Sie lernen, neue Aussagen zu produzieren und über die Sprachrich- tigkeit von Sätzen zu entscheiden. Ähnlich wie beim Erlernen einer Spra- che geht es bei der Vermittlung von Me- dienkompetenz nicht darum, einfach eine Reihe von technischen Fertigkeiten zu ler- nen, um z. B. einen Computer oder ein Handy verwenden zu können. Es geht viel- mehr auch darum, das Lernen zu lernen, um sich neue Fähigkeiten und neues Wis- sen im Bereich Medien selbst zu erschlie- ßen. Zu den weiteren Zielen gehört es, die eigene Mediennutzung zu reflektieren und die Entwicklungen im Bereich Medien kri- tisch zu verfolgen. Baackes Grundideen sind auch in der heu- tigen medienpädagogischen Debatte von zentraler Bedeutung. Vor allem der Begriff der Medienkompetenz hat seit den 1990er Jahren eine unglaubliche Popularität er- halten. Um Medienkompetenz in Reich- weite und Umfang zu erfassen, schlägt Baacke eine Differenzierung in vier Dimen- sionen vor: Medienkritik (vorhandenes Wis- sen über Medien sollte erweitert und kritisch reflektiert werden – auch bezogen auf das eigene Medi- enhandeln), Medienkunde (Wissen über heutige Medien und Mediensy- steme; dazu gehören auch instrumentell- qualifikatorische Fähigkeiten, um neue Geräte bedienen zu können), Mediennut- zung (Nutzungs- bzw. Rezeptionskompe- tenz jedes einzelnen Menschen im Um- gang mit Medien – auch im Bereich des interaktiven Handelns) und Medienge- staltung (jeder Mensch kann das Medien- system innovativ weiter entwickeln und neue Inhalte gestaltend einbringen). Auf- Mit dem Auftreten von Inter- net und Handy ergaben sich völlig neue Fragen an den Jugendmedienschutz. Einen Beitrag zur Information über die Entwicklung stellte die 1998 von der AJS herausge- gebene Broschüre „Schöne neue Medienwelt?“ dar. ▼ Erzieherischer Jugendmedienschutz 60 Jahre AJS Finale.indd 75 12.10.13 17:27 1 Grundlagen Strukturen Handlungsformen •60JahreKinder-undJugendschutzinNordrhein-Westfalen Jugendschutz Jugendschutz Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz LandesstelleNordrhein-Westfalen e.V. Grundlagen•Strukturen•Handlungsformen 1. Gewaltphänomene | Gewalt in Medien

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