Reader Gewaltp NRW online

89 4/2004 Die zwei Ohrfeigen, die ein Baden-Württembergischer Staatsminister seinem politi- schen Widersacher verpasst hat, mögen in der heutigen Welt des wohltemperierten Talkshowgebells wie ein Rück- fall in die Barbarei erscheinen. Doch sind sie einAusdruck von Zivilisiertheit. Es hat schließ- lich Zeiten gegeben, in denen mangelnde Loyalität mit Schwerthieben bestraft wurde. Denn die Ohrfeige ist eine re- lativ harmlose Form der Ge- walt – verglichen etwa mit dem Fausthieb. Man sieht das auch daran, dass sie bis vor kurzem 11 ISSN 0174/4968 IMPRESSUM Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS) Landesstelle Nordrhein-Westfalen e. V. Poststraße 15-23, 50676 Köln Tel.: (02 21) 92 13 92-0, Fax: (02 21) 92 13 92-20 e-mail: info@mail.ajs.nrw.de http://www.ajs.nrw.de mit Förderung des Ministeriums für Schule, Jugend und Kinder aus Mitteln des Landes NRW Vorsitzender: Jürgen Jentsch MdL (Gütersloh) Stellvertreter(innen): Prof. Dr. Karla Etschenberg (Einzelmitglied) Prof. Dr. Wilfried Ferchhoff (Ev. Arbeitskreis Kinder- u. Jugendschutz NRW) Wilhelm Müller (Landesjugendring) Prof. Dr. Joachim Faulde (Kath. Landesarbeits- gemeinschaft Kinder- u. Jugendschutz NRW) Michael Schöttle (Arbeiterwohlfahrt) Gabriele Surek (Diakonisches Werk) Ulrike Werthmanns-Reppekus (Der Paritätische NRW) Kooptiert in den Vorstand: Vertreter(in) vom Ministerium für Schule, Jugend und Kinder NRW Redaktion: Jan Lieven, Gf.: 92 13 92-19 Redaktionsmitarbeit: (Telefondurchwahl) N.N.(-16), Carmen Trenz (-18), Sebastian Gutknecht (-15), Gisela Braun (-17), N.N. (-14), Dr. Stefan Schlang (-12) Erscheinungsweise: vierteljährlich Verlag/Anzeigenverwaltung/Herstellung: DREI-W-VERLAG GmbH Postfach 18 51 26, 45201 Essen Anzeigen: Markus Kämpfer Tel.: (0 20 54) 51 19, Fax: (0 20 54) 37 40 e-mail: info@drei-w-verlag.de http://www.drei-w-verlag.de Bezugspreis: 3 Euro pro Ausgabe, Jahresabonnement 12 Euro Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht immer die Meinung des Herausgebers wieder. Das AJS FORUM wird vom Deutschen Zentralin- stitut für soziale Fragen (dzi) regelmäßig doku- mentiert und erscheint als Quellennachweis auf der Datenbank SoLit (CD-Rom) Harmlos ein alltägliches Mittel der Kindererziehung war. Die Ohrfeige ist also gar kein richtiger Schlag. Sie ist eher ein Ritual als ein wirk- sames Mittel im Kampf. Sie verletzt mehr die Ehre als den Körper. Das erklärt ihre gro- ße zeremonielle Bedeutung: Als Zeichen der Herrschafts- ausübung spielte sie eine Rol- le bei der Einsetzung von Her- zögen, bei der Firmung, im Handwerksbrauch, im Hoch- zeitsritual und beim Ritter- schlag. Gerade wegen dieser ritu- ellen Kraft ist die Ohrfeige auch dieWaffe der Frauen, die sich der Zudringlichkeit der Männer erwehren wollen. Im Regelkanon intersexueller Kommunikation war sie das Nonplusultra der Eskalation, mit dem die Frau auch den be- griffsstutzigsten Kraftmeier bändigen konnte. Genau deshalb gilt die Ohrfeige dem echten zivilisa- tionsfernen Prügelknaben als weibisch. Für ihn ist die Ohr- feigenaffäre von Stuttgart nur ein Zickenkrieg unter Män- nern. Matthias Heine / DIE WELT Mobbing ist unter Kindern und Jugendlichen weit verbreitet Experten diskutierten auf einer Tagung in Köln über professionelle Hilfen für Mobbing-Opfer Streitereien und Rangeleien gehören zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. Die meisten Konflikte können Kinder unter sich regeln. Wird aber ein Kind systematisch über längere Zeit schikaniert und fertig gemacht, dann ist das „Mobbing“ oder „Bullying“. Schätzungsweise zehn Prozent aller Schulkinder sind betroffen, das sind ein bis drei Kinder pro Klasse. Damit ist Mobbing kein Randthema, son- dern ein verbreitetes Problem. Eine Tagung zum Thema „Mobbing unter Kindern und Ju- gendlichen. Was kann dagegen getan werden?“ der Arbeitsge- meinschaft Kinder- und Jugend- schutz (AJS), Köln, und der Ka- tholischen Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz, Mün- ster, am 8. Dezember in Köln ist auf großes Interesse gestoßen. 200 Fachkräfte hatten sich ange- meldet. Aus Platzgründen konn- ten nur 90 Lehrerinnen und Leh- rer, Fachkräfte aus der Jugendhil- fe, von Beratungsstellen und der Polizei berücksichtigt werden. Wegen des großen Interesses wird die Tagung am 28. Februar 2005 im Kolpinghaus in Köln wieder- holt. Stefan Korn von der Universi- tät München wies auf „die im- mense psychische Belastung“ der betroffenen Kinder hin, aus denen sie in der Regel ohne Hilfe von außen nicht herausfinden: „Schul- verweigerung und körperliche Beschwerden sind wahrscheinli- che Folgen“. Deutlich wurde, dass beimMobbing nicht nur Täter und Opfer, sondern die gesamte Grup- pe – Täter, Anfeuernde, Beobach- ter u.a. - eine Rolle spielen. Dar- um kann das Mobbingopfer nur dann effizient geschützt werden, wenn die ganze Gruppe/Schul- klasse in die Anti-Mobbing-Stra- tegie einbezogen wird. Beim Mobbing sind die Er- wachsenen besonders gefordert: Da die „Opfer“ aus Angst vor noch mehr Terror und aus Scham selten über ihre Qualen sprechen, ist es umso wichtiger, dass Eltern und Pädagogen aufmerksam sind und eingreifen. Allerdings sind diese oft ratlos, und in der Tat können gut gemeinte, aber falsche Hilfsangebote die Situation des betroffenen Kindes verschlim- mern. Auf der Tagung wurden deshalb professionelle Anti-Mob- bing-Strategien vorgestellt. Der australische Psychologe Christo- pher Szaday, der in Zürich arbei- tet, informierte über den „No Bla- me Support Group Approach“ und der Polizeibeamte Michael Heimes aus Viersen über die „Anti-Bullying-Strategie“ nach Dan Olweaus. Weitere Informationen über die Tagungsergebnisse sind bei der AJS erhältlich. Anmeldungen für die Wiederholungstagung sind ebenfalls an die AJS zu richten. carmen.trenz@mail.ajs.nrw.de @ Internet glaubwürdiger als Radio Jugendliche empfinden die Ta- geszeitung als das glaubwürdigste Medium. Das geht aus einer Studie des Medienpädagogischen For- schungsverbundes Südwest hervor. Demnach gaben von rund 1000 Befragten in der Bundesrepublik imAlter zwischen 12 und 19 Jah- ren 42 Prozent an, bei wider- sprüchlicher Berichterstattung in verschiedenen Medien am ehesten der Tageszeitung zu vertrauen. Für 30 Prozent hat das Fernsehen die höchste Glaubwürdigkeit, für 15 Prozent das Internet und für 12 Prozent das Radio. Beim persönlichen Medienbe- sitz ist der Studie zufolge das Handy Spitzenreiter. Neun von zehn Jugendlichen gaben an, ein eigenes Mobiltelefon Handy zu besitzen, wobei das Versenden von SMS für sie die wichtigste Funktion ist. Etwa zwei Drittel verfügen über ein Fernsehgerät, 53 Prozent über einen PC und 28 Prozent über einen eigenen Internet-Zugang. Der Anteil der Jugendlichen mit Com- puter-Erfahrung liegt bei 94 Pro- zent. 85 Prozent nutzen regelmä- ßig das Internet. Chip-online 1. Gewaltphänomene | Mobbing/Cyber-Mobbing

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