Reader Gewaltp NRW online
9 das 2002 in Kraft getretene Gewaltschutzgesetz, das 2012 verabschiedete Bundeskinder- schutzgesetz und die Verschärfungen des Sexualstrafrechts 2014 und 2016 haben weit- reichende Auswirkungen auf die öffentliche Wahrnehmung von Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen und häuslicher Gewalt bewirkt. Die erhöhte gesellschaftliche Aufmerksamkeit und Auseinandersetzung mit den ver- schiedenen Gewaltphänomenen führten zu der Erkenntnis, dass ein gesamtgesellschaft- liches Engagement gefordert ist, um Gewalt einzudämmen. Das hatte wiederum zur Folge, dass vielerlei Konzepte und Maßnahmen entwickelt, in der Praxis erprobt und implementiert wurden. Die Expansion von Gewaltpräventionsmaßnahmen hält er- freulicherweise bis heute an. Wobei die Fachwelt zu Recht darauf hinweist, dass der Be- griff Gewaltprävention im Laufe dieser Entwicklungen an Kontur verloren hat, in der Praxis instrumentalisiert und inflationär benutzt wird. Die Selbstverständlichkeit, mit der heute über die Gewaltphänomene gesprochen wird, trügt über die Tatsache hinweg, dass Präventionsarbeit eine nicht immer leichte Auf- gabe darstellt. Vor allem bei tabubehafteten Themen wie sexualisierter Gewalt gab und existieren nach wie vor Widerstände, die es abzubauen gilt. Auch die in den Kommunen des Landes enge Zusammenarbeit von Jugendhilfe, Schule und Polizei bedurfte viel Engagement, Vorurteilsabbau und Vermittlungsarbeit. Die AJS trug maßgeblich dazu bei, die Kommunikation und Kooperation zwischen den unterschiedlichen Akteuren zu fördern. Der daraus seit 1984 erwachsene Landesarbeitskreis Jugendhilfe, Polizei, Schule ist bis heute bestrebt, die Gewaltprävention zu fördern und die Kinder- und Jugend- kriminalität zu reduzieren. Mittlerweile stehen landes- und bundesweit Gewalt- und Kriminalitätsprävention auf der Agenda von Politik und Wissenschaft, Polizei und Justiz, Schule, Kinder- und Jugend- hilfe. Die Gewaltprävention ist in NRW auf einem guten Weg. Gewalt ist allgegenwärtig, hat multikausale Gründe und kann nicht vollständig verhindert werden. Deshalb gehört es zur zentralen Aufgabe pädagogischer Arbeit, Kinder- und Jugendliche für Gewaltphänomene frühzeitig zu sensibilisieren und ihnen einen angemessenen Umgang damit zu vermitteln. Aktuell gilt es vor allem, mit vereinter Kraft der anwachsenden ideologisch, weltanschaulich und fremdenfeindlich motivierten Gewalt entgegenzuwirken. Dieser Herausforderung stellt sich die AJS und greift auf bewährte Strategien zurück. Im Fokus stehen dabei der enge Aus- tausch mit der Fachpraxis über pädagogische Belange, die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb der AJS und natürlich die Erstellung von Publikationen wie die des Readers. Mit Blick in die Zukunft bleibt zu wünschen, dass die vorliegende Sammlung an Fach- artikeln eine weite Verbreitung findet und Akteurinnen und Akteure einen Mehrwert für ihre praktische Arbeit im Sinne des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes daraus ziehen. Dimitria Bouzikou ( AJS)
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