Reader Gewaltp NRW online

8 Einleitung Als AJS-Fachreferentin und langjährige Trainern für Gewaltprävention freue ich mich ganz besonders, den Reader Gewaltprävention in NRWmit Beiträgen der AJS von 1982 bis heute vorzustellen. Der Reader dokumentiert die 35-jährige Gewaltpräventionsarbeit der AJS in NRW und stellt insbesondere für die Fachpraxis eine Bereicherung dar. Es finden sich nahezu alle theoretischen und praxisrelevanten Aspekte von Gewaltprävention und Inter- vention in dieser Sammlung. Die Artikel sind überwiegend von AJS Mitarbeiter*innen verfasst und im AJS FORUM veröffentlicht worden. Das heißt, der Reader bündelt in den chronologisch und thematisch übersichtlich angeordneten Texten Informationen zu Er- scheinungsformen, Ausmaß und Ursachen von Gewalt. Gleichermaßen weckt die Be- schäftigung mit dem komplexen Thema Gewalt die Neugier und motiviert, sich mit be- stimmten Fragestellungen tiefgründiger auseinanderzusetzen. Welche Gewalt- und Kriminalitätspräventionsmaßnahmen sind wirksam und welche sind womöglich schädlich? Welche Faktoren erhöhen und welche Faktoren senken die Gewalt- bereitschaft von Kindern und Jugendlichen? Wie sieht Prävention von Cyber-Mobbing aus? Was können Eltern tun, um ihre Kinder vor sexualisierter Gewalt zu schützen? Wie sinnvoll sind Sanktionen? Woran erkenne ich gute Gewaltpräventionskonzepte? Was bedeutet Opferschutz? Wie können Counter Speech Methoden gegen Hate Speech in der Arbeit mit Jugendlichen aussehen? Wie lässt sich traditionell religiöses Verhalten von Radikalisierung unterscheiden? Kurz gesagt: Wer auf der Suche nach fundiertem Fachwissen und praxisnahen Hand- lungsansätzen zu bestimmten Gewaltphänomenen ist, erhält einen umfassenden historischen und themenspezifischen Überblick. Mit dem in NRW besorgniserregenden Anstieg der Straftaten von Jugendlichen in den 1980er Jahren fand die Präventionsarbeit der AJS ihren Einstieg. Zu dieser Zeit erregte etwa die reißerische Berichterstattung über randalierende, gewaltbereite Jugendliche Fußballfans das Interesse der Öffentlichkeit. Sowohl auf Bundes- als auch auf Landes- ebene entstanden Initiativen, um der Gewaltausübung und Kriminalitätssteigerung ent- gegenzuwirken. In diesem Kontext erhielt die Landesstelle den Auftrag, sich des Themas anzunehmen und Arbeitshilfen für pädagogische Fach- und Lehrkräfte zu erstellen. Damit war ein Meilenstein im Rahmen des Kinder- und Jugendschutzes gesetzt. Was von wenigen Pionier*innen als kriminalpräventive Notwendigkeit angestoßen wurde, ent- wickelte sich mit den Jahren zu dem in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommenen Themenkomplex Gewaltprävention. Das Thema Gewaltprävention zu etablieren, hätte ohne die politische Unterstützung wesentlich mehr Zeit in Anspruch genommen. Neue gesetzliche Regelungen in den ver- gangenen 35 Jahren haben das Themenfeld entscheidend vorangebracht. Vor allem das im Jahr 2000 im Bürgerlichen Gesetzbuch verankerte Gesetz zur Ächtung von Gewalt,

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